Irakische Arbeiterklasse
Zwischen den Mahlsteinen von Imperialismus und islamistischen Fanatismus

Der von dem Priester Moqtada al-Sadr angeführte Aufstand gegen die US-Besatzer, genau wie die breite Unterstützung, welche die Hamas aufgrund ihres Kampfes gegen die Unterdrückung durch den israelischen Staat unter den Palästinensern genießt, zeigt wieder einmal, dass der tiefe Antiamerikanismus der arabischen und moslemischen Massen durch den sogenannten "politischen Islam" erfolgreich kanalisiert wird. Dieser verfolgt die reaktionäre Strategie der Gründung theokratischer Staaten, deren Verfassung auf dem Koran beruhen sollen.

Die explosionsartige Ausbreitung dieses militanten Islams hat ihren Ursprung in den letzten beiden Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts, wenn man die iranische Revolution von 1979 als Bezugspunkt nimmt, und seine Wurzeln liegen im Scheitern des bürgerlich- arabischen Nationalismus und der Unterordnung der herrschenden Eliten unter den Imperialismus.

Der Islamismus verurteilt und bekämpft alle Ideologien die, wie der Marxismus, die Teilung der Gesellschaft in Klassen, sowie die Notwendigkeit der Einheit der Arbeiterklasse im Kampf gegen die heimischen Ausbeuter und ihre imperialistischen Alliierten, offen und anschaulich darstellen. Trotz der radikalen und sogar "antiimperialistischen" Rhetorik garantiert der Islamismus unter der Maske der "Einheit aller Gläubigen" auch nichts Anderes als die Herrschaft der ansässigen Bourgeoisie. Dies hat die Tragödie der iranischen Revolution auf eindruckvolle Weise vor Augen geführt. Die in den Ölraffinerien konzentrierte Arbeiterbewegung spielte eine zentrale Rolle beim Sturz des Schahs Reza Pahlevi. Die Führung des revolutionären Prozesses fiel jedoch in die Hände des Ayatollah Khomeini, der einen zutiefst reaktionären Gottesstaat errichtete, indem die Linke brutal unterdrückt wurde, um auf diese Weise die Vorherrschaft der einheimischen Bourgeoisie zu sichern.

Demgegenüber setzt auch die Saudische Monarchie den Islam als politisches Werkzeug ein, was sie jedoch nicht im mindesten daran hinderte der wichtigste Alliierte der USA im Kampf gegen das Böse in der Region zu sein. So finanzierte sie in den 80. Jahren den sogenannten "afghanischen Djihad", um die radikalen Auswirkungen der iranischen Revolution zu dämpfen. Die afghanischen "Djihad-Krieger" kämpften gegen die Sowejt Union, um Afghanistan von den "Ungläubigen" und "Gottlosen" zu befreien, sie wurden von Osama bin Laden, dem Vertreter einer einflussreichen Fraktion der saudischen Bourgeoisie, angeführt. Auch die USA haben die "Gotteskrieger", die von ihnen als "Freiheitskämpfer" bezeichnet wurden, unterstützt und finanziert, wobei sie sich den tiefen Antikommunismus und den überaus reaktionäre Charakter der Bewegung zu Nutzen machten. Aus dieser Bewegung gingen sowohl die Taliban als auch das Al Qaeda - Netzwerk hervor, welche von einem wohlgehegten Alliierten zum Staatsfeind Nummer Eins der USA und des gesamten "Westens" mutierten.

Die wiederholten Versuche, die imperialistische Unterdrückung im Mittleren Orient und in der arabischen Welt ein für alle Mal zu beenden, stießen –und stoßen– immer wieder an die von den nationalistischen bzw. religiösen Führungen gesetzten Grenzen. Die Aufgabe, das koloniale Erbe bestehend aus Unterentwicklung und Elend endgültig abzuschütteln, müssen die arabischen Massen unabhängig von den ultrareaktionären regionalen Bourgeoisien lösen, und dies kann nur unter der Führung der Arbeiterklasse geschehen. Das internationale Proletariat muss diesen Kampf, als Teil des Kampfes gegen die kapitalistische Barbarei, in seine eigenen Hände nehmen. Wieder einmal gewinnt die von der kommunistischen Internationale Lenin und Trotzkis aufgestellte Losung: Proletarier und unterdrückte Völker aller Länder, vereinigt Euch! an Aktualität und Bedeutung.