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Autor: Gustavo Dunga
Datum:3.3.2004
Quelle: La Verdad Obrera No 134
(Argentinien)
Sonntag den 29. Februar: Es stürzt
die Regierung Aristides.
Einen Tag nachdem er das Land unter unklaren
Umständen verlassen hatte, warf der haitianische Ex-Präsident
aus seinem vorübergehenden Exil in der Zentralafrikanischen
Republik der Regierung George Bushs vor, seinen Sturz inszeniert
zu haben. Nach seiner Version haben ihn amerikanische Soldaten
dazu gezwungen, zurückzutreten und an Bord eines Flugzeuges
zu steigen, dass ihn nach Afrika brachte.
Die Anschuldigungen Aristides haben bei
einigen Führern der Demokraten in den USA Gehör gefunden
und zu einer "Schlacht der Versionen" geführt,
zwischen denjenigen, welche Bush vorwerfen eine Art Putsch gegen
Aristide organisiert zu haben und dem State Department, das jegliche
Beteiligung der Regierung leugnet.
Diese Vorwürfe resultieren aus der
langen Beziehung von der sogenannten "demokratischen und
gewaltfreien Opposition" sowie der bewaffneten "Rebellen",
die sich aus ex Angehörigen des aufgelösten Haitianischen
Militärs und der Todesschwadronen Duvalliers zusammensetzen
zu Angehörigen der Regierung Bush.
Gleichgültig wie die Entwicklungen
wirklich abgelaufen sind, sicher ist, dass wieder einmal imperialistischen
Truppen in Haiti eingetroffen sind. Am Montag, dem 1.März,
begann die Landung von amerikanischen Marines sowie französischen
und kanadischen Truppen. Die enge Zusammenarbeit Frankreichs mit
den USA im Rahmen der dramatischen Entwicklungen in Haiti, ist
ein Versuch, die nach dem Irakkrieg schwer beschädigten Beziehungen
zwischen den beiden imperialistischen Ländern zu reparieren.
Der UNO Sicherheitsrat hat eiligst die Entsendung von Friedenstruppen
abgesegnet. Die USA werben um weitere Unterstützung durch
die "internationale Gemeinschaft". Wir internationalistische
Revolutionäre verurteilen die Intervention der USA, Frankreichs
und anderer Mächte, die für die Rückständigkeit
und Barbarei im Lande verantwortlich sind. Wir lehnen die Besetzung
Haitis durch ausländische Truppen ab, da sich bereits in
der Vergangenheit gezeigt hat, dass dies nur den Interessen der
sklaventreiberischen Bourgeoisie Haitis sowie den imperialistischen
Monopolen dient. Abgesehen davon, könnte diese Offensive
der USA in der Karibik einen gefährlichen Präzedenzfall
für eine offensivere Politik gegen Kuba darstellen, da sie
versucht, imperialistische Eingriffe in Lateinamerika zu rechtfertigen,
sofern sie sich gegen Regierungen richtet, die Washington als
Feinde betrachtet.
Die Krise der Regierung Aristide
Aristide trat seine zweite Amtszeit im
Jahr 2000 an. Die wirtschaftliche und soziale Lage des Landes
hatte sich bereits signifikant verschlechtert, infolge der wirtschaftlichen
und finanziellen Kompromisse, auf die sich Aristide 1994 eingelassen
hat, nachdem ihn die Regierung Clinton durch eine militärische
Intervention wieder an die Macht gebracht hatte. Aristide erklärte
sich nicht nur bereit, die von der Diktatur Duvalliers gemachten
Auslandsschulden zurückzuzahlen, sondern ließ darüber
hinaus eine Öffnung seines Landes für die subventionierten
Agrarexporte der USA zu, was zu einer Vernichtung der heimischen
Landwirtschaft führte, die bis dahin eine der wichtigsten
Überlebenschancen für die verarmte Nation dargestellt
hatte. Die fatale Lage des semikolonialen Landes, das zutiefst
vom Diktat der imperialistischen Mächte abhängig ist,
verschlechterte sich weiter, mit dem Amtsantritt der republikanischen
Regierung George Bushs. Diese hat viele Verbindungen zu Persönlichkeiten
des alten Regimes, des Militärs und der Polizei, die 1991
den Putsch gegen die erste Regierung Aristides durchgeführt
haben. Unter Berufung auf Vorwürfe wegen Wahlbetrugs und
Regierungskorruption, blockierten die USA die Auszahlung eines
über 400 Millionen Dollar, der bereits durch die BID (Interamerikanische
Entwicklungsbank) gewährt worden war. Im Juli 2003 wurde
Haiti gezwungen, 32 Millionen Dollar durch Privatisierung von
Dienstleistungen, seiner Auslandsschulden zu bezahlen. Um die
Bedingungen des IWF zu erfüllen, strich Aristide die Subventionen
für Benzin und veranlasste eine drastische Kürzung der
Mittel für Gesundheit und Erziehung. Diese Maßnahmen
veranlassten eine Welle von Protesten, die durch die Anhänger
Aristides unterdrückt wurden.
Der pro-imperialistische Charakter der
Opposition
Die wachsende Unzufriedenheit über
fehlende politische Freiheiten, über den Hunger und die Repressionen
wurde von Anfang an durch die Opposition zur Regierung Aristide
kanalisiert. Diese gruppiert sich um die sogenannte Demokratische
Plattform die sich aus der sogenannten Zusammenfassung
demokratischer Kräfte und der Gruppe 184 zusammensetzt.
Ihr gehören Repräsentanten der traditionellen Rechten,
der Unternehmensausschüsse und sogar einiger mitte links
Parteien an. Ihr wichtigster Wortführer ist André
Apaid, ein Yankee haitianischer Herkunft, wichtigster lokaler
Bourgeois und Vorsitzender der Industriekammer.
Die Situation eskalierte im Februar, als
eine paramilitärische Rebellentruppe von der Dominikanischen
Republik aus ins Land einfiel. Diese bestand aus ex Angehörigen
des aufgelösten haitianischen Militärs und der Todesschwadronen,
welche unter der Diktatur Duvalliers und Cedras operiert hatten.
Diese bewaffneten Banden nahmen innerhalb weniger Tage die wichtigsten
Städte des Landes ein. Die Anführer dieser "Regierungsgegner"
sind Guy Philippe, ex Polizeichef und Mitglied der Streitkräfte,
der Anfang der 90er Jahre von USA Spezialeinheiten ausgebildet
wurde; Emmanuel Constant und Jodel Chamblain, ex Mitglieder
der gefürchteten tonton macoute, der Schlägertruppen
des Duvallier Diktatur. Diese Volksmörder haben gute Beziehungen
zu Mitgliedern der amerikanischen Regierung, wie z.B. John Negroponte,
Otto Reich und Roger Noriega, die beiden letzten Verantwortliche
des State Departments für Lateinamerika und die Karibik.
Diese dunklen Gestalten, die während der Ära Reagan
ausgebildet wurden, die für die Bewaffnung der contra
in Nicaragua zur Bekämpfung der sandinistischen Revolution
verantwortlich zeichnen, zögerten nicht die "Opposition"
zu finanzieren und die Söldnertruppen zu bewaffnen, welche,
durch geschickte Ausnutzung der Krise, dem verfaulten Regime Aristides
den Todesstoß versetzten.
Imperialistische Truppen und ihre lokalen
Verbündeten raus aus Haiti
Sofort nach ihrem Einmarsch in der Hauptstadt
machten diese Mörder des haitianischen Volkes ihre Absichten,
die Macht des alten Militärs wiederherzustellen und eine
offen US-freundliche Regierung zu installieren, offenkundig. Laut
der New York Times dankte nicht nur Chamblain den USA für
ihre Unterstützung, sondern Guy Philippe selbst ernannter
Polizeichef ging sogar soweit zu behaupten, "die amerikanischen
Soldaten sind wie wir, wir sind Brüder. Wir danken ihnen
für die Dienste, die sie unserer Nation gegen den Terrorismus
Aristides geleistet haben," und versicherte abermals, das
haitianische Heer wieder aufbauen zu wollen.
Auch wenn für den Moment die imperialistischen
Mächte erst einmal versuchen werden, die Lage im Land zu
stabilisieren, indem sie die verschiedenen Fraktionen der "Opposition"
in einer neuen Regierung zu vereinigen suchen, die wahrscheinlich
auch einige Anhänger Aristides einbeziehen wird. Abgesehen
von der konkreten Form die eine zukünftige Regierung annimmt,
ist es offensichtlich, dass diese offen reaktionären Sektoren,
durch das Gewicht, das sie durch die Kämpfe gewonnen haben,
eine wichtige Rolle in der Zusammensetzung des zukünftigen
Regimes spielen werden. Dieses wird sowohl die Bedingungen für
die Ausbeutung und die Not, in denen die große Mehrheit
der haitianischen Bevölkerung lebt, als auch die Privilegien
der kleinen herrschenden Elite aufrecht erhalten.
Dies verheißt, dass fern einer endgültigen
Lösung der Situation, die Möglichkeit weiterer Zusammenstöße
bestehen bleibt. Die haitianischen Massen können sich von
der imperialistischen Intervention nichts Gutes erhoffen. Die
Erfahrungen des Jahres 94, die eben zu Ende gegangene Ära
der "Demokratie" Aristides und der Marines, legen ein
schauriges Zeugnis davon ab. Genau sowenig Gutes haben sie von
der pro-imperialistischen Opposition und den rechten bewaffneten
Banden zu erwarten. Deswegen müssen sich die haitianischen
Arbeiter und Bauern unabhängig organisieren um den Weg der
nationalen und sozialen Befreiung zu beschreiten, der neuerlichen
imperialistischen Revolution zu trotzen und sich gegen alle bürgerlichen
Varianten zu wehren, die dafür verantwortlich sind, dass
das Land am Boden liegt.
Das Scheitern des "Linken" Aristide
1986 1990 Eine abgetriebene Revolution
Der Sturz der Duvalier Diktatur 1986 war
das Ergebnis von zwei Jahren Arbeiter- und Volks- Mobilisierungen
und Rebellionen in allen wichtigen Städten des Landes. Der
Motor der Bewegung war der Protest gegen den Hunger und für
politische Freiheiten. Die Regierung Reagan entzog Duvalier die
Unterstützung, das sie vorzog, den Diktator zu opfern um
die amerikanischen Interessen und die der haitianischen Elite
zu retten.
Von diesem Moment an begann eine hektische
politische Aktivität angeführt durch die US Botschaft,
mit Beteiligung der katholischen Kirche und der traditionellen
Parteien, unter ihnen auch die KP, die sich darum bemühte
den der Massen abzulenken und zu kanalisieren, während diese
in den Straßen die gefürchteten tontons macoutes
(paramilitärische Duvalier Anhänger) hinrichteten,
die Latifundien besetzten und die Besitztümer der Reichen
plünderten.
Schließlich sah sich die Militärjunta
die Duvalier an der Macht ablöste durch mehrere Generalstreiks
gezwungen, eine Verfassunggebende Versammlung einzuberufen und
allgemeine Wahlen zu verkünden.
Die Machtübernahme Aristides
Jean Bertrand Aristide und seine Partei
Familia Lavalas gewannen die Wahlen 1990. Obwohl dies von
Bush senior und der haitianischen Oligarchie mit Misstrauen beobachtet
wurde, war dies zu der Zeit das einzige Instrument um den in Gang
gekommenen revolutionären Prozess abzutreiben.
Aristide war Salesianopriester und Anhänger
der Befreiungstheologie, welche in den 60er Jahren entstanden
ist. Diese predigt ein Programm sozialer Reformen und offene Klassenkollaboration.
Die Befreiungstheologie beeinflusste die Führung der nicaraguanischen
Sandinisten und wird heute vom brasilianische MST (Bewegung der
Landlosen)hochgehalten. Aristide genoss den Ruf eines Kämpfers
gegen die Diktatur, dies und seine radikale Rhetorik verführte
die Massen dazu, ihr Vertrauen in ihn zu setzen. Jedoch hinderte
ihn seine Klassenabhängigkeit daran, das Problem der wirtschaftlichen
Rückständigkeit des Landes von der Wurzel aus anzugehen
obwohl er emblematische Figuren des alten Regimes einsperrte.
Diese liegt in der wirtschaftlichen Macht der Bourgeoisie und
des Imperialismus und während Aristide versuchte, die Aktivität
der Massen zu beruhigen, indem er Illusionen darüber verbreitete,
dass man auf bürgerlich demokratischem Wege eine Lösung
für die brennenden Probleme der Bevölkerung finden könne.
Die Streitkräfte durchsetzt mit ex Duvalier Anhängern
setzten ihn 1991 mit Unterstützung der CIA und der haitianischen
Elite, die Angst hatte, ihre Privilegien zu verlieren, ab und
brachte wieder ein Terrorregime an die Macht - gegen die Massenbewegung.
Die Demokratie der Marines
1994 kehrte Aristide nach Haiti zurück
an der Hand einer Invasion von Yankees und UN Truppen. Er ersetzte
den Diktator Raúl Cedras an der Macht. Diese Operation
war Teil von Clintons außenpolitischer Strategie, Militärinterventionen
in heißen Zonen der internationalen Politik mit der Fahne
der Demokratie zu verdecken. Diese Invasion legte nicht nur das
Fundament für die Durchsetzung der neoliberalen Pläne
in Haiti, sondern besiegelte auch endgültig das Ende der
revolutionären Bewegung, welcher 1986 begonnen hatte. Tatsächlich
setzten Aristide, genau wie sein Nachfolger Preval, ebenfalls
von der Bewegung Lavales, die Pläne des IWF zur Zahlung der
Auslandsverschuldung durch und kamen den Transnationalen entgegen,
durch die Ansiedlung von Maquiladoras (assembler Fabriken) an
der Grenze zur Dominikanischen Republik.
In der zweiten Amtszeit Aristides obwohl
er einige antiamerikanische Reden schwang, um seiner sozialen
Basis entgegenzukommen stürzten die Folgen seiner Politik
das Land in eine galoppierenden Inflation und eine generelle Hungersnot,
die Tausende von Flüchtlingen dazu veranlasste, zu versuchen,
in unsicheren Flößen die Küsten Mexikos oder der
USA zu erreichen. Während er also, auf Grund der Widersprüche
zwischen seiner armenfreundlichen Rhetorik und seiner neoliberalen
Politik sowie seiner und seiner Spießgesellen andauernden
Bereicherungen auf Staatskosten, ständig an sozialer Basis
verlor, griff er auf die Bildung bewaffneter Banden zurück,
um sich an der Macht zu halten.
Die totale Pleite von Aristide und seiner
Politik zeigt die Grenzen der reformistischen Strategien auf,
die krassen Widersprüche der semikolonialen Länder Lateinamerikas
zu lösen, ohne die imperialistischen Ketten zu sprengen.
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