Doppelbelastung der Frau

Doppelte Arbeitszeit, doppelte Fesseln

Die ökonomische Krise wird auf dem Rücken der Frauen ausgetragen

In einer Zeit hoher Arbeitslosigkeit, wie wir sie derzeit erleben, klingt es paradox, dass viele Menschen unter den Folgen von Überlastung leiden: 50%der männlichen Beschäftigten sind überlastet. Für sie ist das Lohneinkommen (pro Stunde) deutlich geringer. Unter den arbeitenden Frauen ist die Überlastung, statisch nicht so hoch, sie liegt bei 28% der weiblichen Beschäftigten. Aber in diesen Zahlen fehlen die Stunden der Hausarbeit, die zu einer Verdoppelung oder manchmal sogar zu einer Verdreifachung der Arbeitszeit führen. Die Politik der ökonomischen Anpassung hat zu einer Neustrukturierung des täglichen Lebens geführt. Um der Krise zu begegnen wurden „Anpassungen" – also finanzielle Einschränkungen – erzwungen. Während Millionen von Menschen arbeitslos blieben, bringen sich die Frauen in den Arbeitsmarkt als billige niedrig qualifizierte und „fügsame" Arbeitskraft ein.

Wegen des geringen familiären Einkommens müssen die Frauen nicht nur arbeiten und in vielen Fällen allein den Haushalt führen, überdies hat sich auch die Hausarbeit verstärkt, die hauptsächlich von Frauen und Mädchen erledigt wird.

Der Großteil dieser Arbeiten wird nicht mal als solche angesehen, aber selbst wenn sie nicht ins Auge fallen, sind sie vorhanden und müssen erledigt werden. Die Frauen widmen nicht bezahlten Tätigkeiten mehr Zeit als Männer und haben längere Arbeitszeiten, was sich negativ auf ihre Gesundheit, Ernährung, politische Beteiligung und Erholung auswirkt. Wenn die Mitglieder einer Familie von der Arbeit nach Haue kommen, verlangsamen sie alle ihren Aktivitätsrhythmus – ausgenommen die Frauen – die eine Arbeit erledigen müssen, die sich über Tag und Nacht erstreckt, die ganze Woche durch ohne Ruhepause. Oft müssen mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigt werden.

Worüber beklagen sich Frauen?

Oft hört man: Worüber beklagen sich Frauen? Wenn alle wüssten, das die Arbeitszeiten der Frauen – produktive Arbeitszeiten und die häuslichen Pflichten berücksichtig – eine wöchentliche Arbeitszeit von 60 Stunden übersteigt, wäre die Antwort klar. Die Anzahl der Stunden, die Art der Arbeit, fehlende Dankbarkeit und Anerkennung führen zu Symptomen wie Reizbarkeit, Aggressivität und Schlafstörungen. Verbreitet sind auch psychosomatische Erkrankungen, die mit Arbeitsbedingungen wie Lärm, strenger Überwachung, Wechselschichtarbeit etc. in Zusammenhang stehen.

Laut mehrerer Studien leidet die arbeitende Frau, wenn sie verheiratet ist und mehr als zwei Kinder hat, unter Stress, Erschöpfung, Monotonie und psychischer Belastung. Wenn Frauen studieren könnten oder eine Arbeit gemäß ihren Vorstellungen erhielten, würde dies als eine Art Schutz vor den Spannungsfaktoren der täglichen Routine fungieren. Aber dies ist nur selten der Fall, überwiegend für gut ausgebildete Frauen, hauptsächlich aus der Mittelklasse. Bei dem Großteil der berufstätigen Frauen ist dagegen die Arbeit Ursache für Depressionen, innere Unruhe, chronische Erschöpfung und Angstzustände. Einige haben sogar Schuldgefühle, weil sie glauben ihren Pflichten als Mutter und Hausfrau nicht angemessen gerecht zu werden, was zum Auftreten von negativen psychologischen Effekten führt. Meist werden diese Symptome nicht als solche erkannt. Die Ärzte, die Kapitalisten und auch die eigenen Familienmitglieder schreiben die Stimmungsschwankungen der Frauen einem schlechten Charakter, der Menstruation oder einer angeblich „typisch weiblichen" Unzufriedenheit zu, was eine zutreffende Diagnose und eine rechtzeitige Behandlung der Erkrankungen verhindert.

Was bei einem Mann als eine durch seine Arbeit hervorgerufene Störung diagnostiziert würde, wird bei Frauen nicht erkannt. Zum einen wird ihre Arbeit im Haus übersehen und in Folge dessen auch deren Auswirkungen auf die Gesundheit der Frauen. Zum anderen wird ihre produktive Arbeit häufig nur als komplementäre Arbeit angesehen, die dazu dient, die familiären Ausgaben zu kompensieren, aber nicht als „ernsthafte Arbeit" anerkannt, was zu Störungen und Erkrankungen führen kann.