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Deutschland
Die Gewerkschaften
und die Frage eines Generalstreiks
Seit
dem Ausverkauf des Metallerstreiks im Osten hat sich einiges getan.
Die Bourgeoisie ist zum Frontalangriff auf die Errungenschaften
der Arbeiterklasse übergegangen. Währenddessen vertieft
sich die Krise des Regimes, was sich in verzerrter Form in der
immer höheren Wahlenthaltung wiederspiegelt. Obwohl die Gewerkschaftsführung
darauf bedacht ist, nichts gegen diese Angriffe zu unternehmen,
gelingt es ihr nicht die Unzufriedenheit von Unten gänzlich
zu kontrollieren. Trotz des Boykotts der Gewerkschaftsführung
beginnt sich der Widerstand zu formieren. Aufgrund des von unten
kommenden Druckes werden Teile der Gewerkschaftsbürokratie
nach links gedrängt. Diese sowie verschiedene Basisorganisationen
haben zu einer Demo in Berlin aufgerufen, die entgegen aller Prognosen
starken Zulauf hatte. Im Gefolge dieser ersten Erfolges, haben
die Basisorganisationen und kritischen Gewerkschafter Aufwind
bekommen und bereits zu weiteren Protestkundgebungen aufgerufen.
Hintergrund
der neueren Entwicklung
Die
deutsche Bourgeoisie versucht, die von der Gewerkschaftsführung
der IGM im Osten verursachte Niederlage zu kapitalisieren um das
Kräfteverhältnis zwischen den Klassen zu ihren Gunsten
zu verschieben und sich eine bessere Ausgangsposition für
die bevorstehenden Kämpfe zu verschaffen. Dieser Versuch
birgt jedoch das Risiko, dass Kräfte freigesetzt werden,
die sie, einmal in Aktion getreten, nur schwer wieder bändigen
können. Durch die radikalen Angriffe der Bourgeoisie kann
auf Grund der Krise der Sozialdemokratie, die ihre Kontrollfunktion
innerhalb der Arbeiterklasse nicht wie vorher wahrnehmen kann,
eine unerwartet heftige, wütende und "unkontrollierte" Reaktion
der Arbeiter hervorgerufen werden.
Daher
ist ein wichtiger Bestandteil der Strategie der Bourgeoisie, der
Versuch alle Flächentarifverträge zu annullieren, und
die Gewerkschaften in kleine und schwache Splitterorganisationen
zu zerschlagen, dabei kann sie auch mit der Hilfe der sozialdemokratischen
Gewerkschaftsbürokratie rechnen.
Bei
ihrem Kreuzzug gegen die Arbeiterschaft kann sie mit der Rückendeckung
der katholischen Kirche rechnen, die in einem Papier zur Reform
der Sozialsysteme , ihre Reform-Forderungen vorstellen wird, die
sogar wesentlich weiter gehen als diejenigen der SPD. Ihre Forderungen
haben den gleichen Wortlaut wie die der FDP bzw. der CDU. Diese,
in Gestalt von Peters, die Bsirke u. a.. bemüht sich nach
Kräften die Sache der Arbeiter zu verraten und diese schutzlos
der Bourgeoisie zum Frass vorzuwerfen.
Anstatt
die Rechte und Errungenschaften der Arbeiter zu verteidigen, tun
sie was sie können um Zwietracht und Konkurrenz unter den
Arbeitern zu sähen und den sich regenden Widerstand sofort
zu erdrosseln.
Trotz
des Boykotts durch die Gewerkschaftsapparate, bewegen sich aufgrund
des von unten kommenden Druckes jedoch langsam auch Teile der
Gewerkschaftsbürokratie nach links, wie z.B. Bernd Riexinger,
Bezirksgeschäftsführer von VerDi Stuttgart, sowie einige
linke Gewerkschaftsgruppierungen.
Jedoch
beschränkt sich auch ihre Taktik auf Kundgebungen, Flugblattaktionen
ohne jedoch konkrete und aussichtsreiche Kampfmaßnahmen
wie z.B. eine Generalstreik zu propagieren, geschweige denn zu
organisieren, obwohl diese Frage schon am 1. November und am Gewerkschaftstag
aufgeworfen wurde.
Einerseits
nehmen "linke" Gewerkschaftsbürokraten wie Bernd Riexinger
(s. seine Rede auf der Berliner Demo vom 1. November) teilweise
richtige Analysen vor und stellen sogar einige sinnvolle Forderungen
auf, wie z.B. den Erhalt der Tarifautonomie oder des Streikrechtes,
jedoch sind die Schlussfolgerungen die sie daraus ziehen und die
"Kampfmaßnahmen" die sie zum Erreichen ihrer Forderungen
vorschlagen, die Falschen. Oder meint Riexinger wirklich, dass
ein "europäischer Protesttag" im nächsten März
den jetzigen Angriff der Bourgeoisie aufhalten kann?
Durch
ihre zögerliche Haltung und ihre Weigerung einen Generalstreik
auszurufen werden sie letztendlich zum Scheitern der Protestbewegung
beitragen.
Den
richtigen Weg den Angriffen der Bourgeoisie entgegenzutreten zeigen
uns die Arbeiter einiger Betriebe (wie z.B. Daimler/Chrysler Mettingen:
In der vorletzten September-Woche legten einige Hundert Arbeiter
von Daimler/Chrysler Mettingen gegen geplante Verlagerungen die
Arbeit nieder; oder BMW Regensburg: Ebenfalls in der vorletzten
September-Woche protestierten über 2.000 Arbeiter von BMW
in Regensburg während der Mittagspause gegen weitere Flexibilisierungen
der Arbeitszeit. Quelle: LabourNet Germany), die gegen die Arbeitszeitverlängerungen
gestreikt haben ohne auf eine Initiative der Gewerkschaftsbürokraten
zu warten. Auch die Studenten auf der Strasse, die nicht nur gegen
Studiengebühren kämpfen sondern auch die Demontage des
"Sozialstaates" anprangern und konsequenterweise auch, zumindest
in einigen Bundesländern, den Rücktritt der Regierungen
fordern. Denn nur wenn die Massen sich auf ihre eigenen Kräfte
verlassen und ihre Waffen wie z.B. Streiks und Massenmobilisierung
entschlossen einsetzen, kann die Offensive der Bourgeoisie aufgehalten
werden. Nur durch eine Vernetzung der verschiedenen, bisher oft
isolierten Proteste, kann die Arbeiterbewegung ihre geballte Kraft
zum Einsatz bringen. Daher, wenn die Arbeitgeber ein Streikverbot
fordern, muss die Antwort der Arbeiter lauten: "Generalstreik".
Wie geht
es weiter?
Die
nahe Zukunft wird uns eine Zunahme der Kämpfe und eine allmähliche
Radikalisierung der Positionen von Teilen der Gewerkschaftsbürokratie
bringen. Dabei werden diese ab und an weiter gehen müssen
als ihnen lieb ist. Sie werden versuchen durch kämpferische
Rhetorik auf der Welle der Proteste zu reiten, um ihre privilegierte
Stellung zu halten und um zu verhindern, dass ihnen die Kontrolle
über die Proteste entgleitet. Selbstverständlich werden
sie alles daransetzen, eine wirkliche Radikalisierung der Kämpfe
zu verhindern. Ihr Vertrauen in diese Leute zu setzen wäre
für die Arbeiterschaft geradezu selbstmörderisch. Um
ihre Forderungen innerhalb der Gewerkschaften durchzusetzen müssen
die Arbeiter diese von ihrer bürokratischen Last befreien
und die internen Entscheidungsprozesse nach den Methoden der Arbeiterdemokratie
neu organisieren.
Nur
so können wirklich kämpferische Gewerkschaften entstehen,
die sich bedingungslos für die Interessen ihrer Mitglieder
einsetzen.
Um
die Angriffe der Bourgeoisie abzuwehren, ist es notwendig alle
Kämpfe zu koordinieren und die korporativen Grenzen und Beschränkungen
zu überwinden. Nur wenn sich alle gemeinsam wehren, sprich
die Gewerkschaften sich nicht mehr auf branchengebundene Streiks
beschränken, sondern gemeinsam zu einem Generalstreik aufrufen,
können die Angriffe zurückgeschlagen werden.
Dabei
sind die Mobilisierung in den Betrieben und die Erschaffung einer
engen Verbindung der Beschäftigten mit den Arbeitslosen und
kämpferische Jugendlichen zentrale Fragen im Kampf gegen
den Großangriff der Bourgeoisie auf die Lebensbedingungen
der großen Massen. Nur eine Allianz von Lohnabhängigen,
Arbeitslosen, Jugendlichen und Immigranten ist ein Garant für
die Abwehr des Angriffs der Bourgeoisie.
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