Dossier Kuba
Überlegungen über seine Geschichte und Gegenwart
Einleitung
Die kubanische Revolution hat wieder einen wichtigen Platz in der lateinamerikanischen und internationalen Politik seit ihrer Einbeziehung in die sogenannte „Achse des Bösen" durch die Regierung Bush und weil es in den politischen Regimen der wesentlichen herrschenden Klassen im Süden Amerikas einen Wechsel gegeben hat. Fidel Castro hat als Ehrengast die Amtseinführung von Lucio Gutierrez in Ekuador, Nestor Kirchner in Argentinien und Lula da Silva in Brasilien gefeiert. Andererseits ist durch die kürzlichen Erschießungen von drei Schiffsentführern und die Verurteilung dieses Ereignisses durch Intellektuelle, die sich bis vor Kurzem sehr zu ihrer Verbindung zum Castrismus bekannt haben, die Diskussion über den Charakter des kubanischen Regimes an erste Stelle gerückt. Gleichzeitig zeigt die Neuordnung unter den kubanischen Dissidenten, wo sich ein Sektor hervorhebt, der nicht zu den Würmern von Miami gehört, um die sogenannte Nachfolge von Fidel Castro auf der Insel zu erlangen, die in den imperialistischen Medien und von der Opposition zum castristischen Regime der Übergang genannt wird, die Wichtigkeit davon.
Dieses Dossier will ein Zugang sein zum nötigen politischen und programmatischen Nachdenken über Kuba und die Gefahren, die die Revolution belauern, sowie eine politische Erklärung geben - aus dem Blickwinkel der permanenten Revolution - für die Entstehung, die Dynamik und die Entwicklung des kubanischen sozialen Prozesses, der viele Leidenschaften und Klagen in den Gruppen der Linken und der Intellektuellen im Verlauf dieser Geschichte erweckt hat.
Das Dossier enthält die folgenden Artikel:
- Kuba am Kreuzweg: wo die konkrete Situation der Insel in dieser Periode analysiert wird und ein Programm für die unabhängige Intervention der Arbeiter und Bauern zur Verteidigung der Errungenschaften der Revolution hervorgehoben wird.
- Kuba und die permanente Revolution: wo der historische Prozeß analysiert wird, der zur Bildung des kubanischen Arbeiterstaates geführt hat, mit dem politischen und theoretischen Arsenal des Trotzkismus gegen die apologetischen und voluntaristischen Trugbilder von der Revolution. Zuletzt, Krieg und Revolution, ein kurzer historischer Anhang der Rechenschaft über das alte Kuba vor 1959 und die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Erbschaften der Arbeiterklasse und der kubanischen Revolution gibt.
Kuba am Kreuzweg
von Eduardo Molina
Kuba ist einmal mehr im „Auge des Hurrikans". Der steigende imperialistische Druck, die Krise der kubanischen Wirtschaft während eines Jahrzehnts der Reformen „des Marktes" und der Zugeständnisse an das ausländische Kapital im Namen der „Spezialperiode", die Debatte über den zukünftigen politischen Weg nach Fidel, während der äußere Druck erstarkt um einen „Übergang" zu erzwingen, der den Weg zur kapitalistischen Rekolonisation freigibt, sind die Schlüssel dieses Kreuzweges.
Natürlich, die Zukunft von Kuba erweckt wachsende Diskussionen in den Medien der Linken im Weltmaßstab und besonders in Lateinamerika. Beiseitelassend die „automatische Übereinstimmung" der stalinistischen Linken mit dem offiziellen Diskurs von Castro: „der Aufbau des Sozialismus ist endgültig und die Garantie sind Fidel und die KP Kubas" und die „Kritik" der sozialdemokratischen Höflinge der bürgerlichen Demokratie: „der Markt hat gesiegt, ein Übergang zur Demokratie ist nötig" durchläuft eine legitime Sorge breite Sektoren. Was bedeuten die wirtschaftlichen Änderungen in Kuba? Hält sich dadurch die kubanische Revolution oder ist die Rückkehr des Kapitalismus unvermeidlich? Wie kann man die Revolution verteidigen?
Die Diskussion unter Marxisten (besonders im Kreis der trotzkistischen Bewegung) hat zwei Pole: der von denen, die mehr oder weniger kritisch der kubanischen Führung politische Unterstützung geben (oder ihre Hoffnungen in einen Teil davon legen) und sich der castristischen Bürokratie angepaßt haben, und der von denen, die von verschiedenen theoretischen Positionen aus die Existenz eines Arbeiterstaates in Kuba bestreiten, und sei es auch eines tief bürokratisierten, und in ihrer Kritik zu halbsozialdemokratischen Positionen abgleiten (wie die LIT, der argentinische MAS, die britische SWP). Wir halten uns nicht mit der Kritik an beiden Richtungen auf sondern weisen darauf hin, daß es ihnen nicht gelingt auf marxistischen Art, wissenschaftlich, von dem Prozeß den Kuba erleidet und von den Aufgaben des kubanischen Proletariats Rechenschaft zu geben.
Einmal mehr wird die „kubanische Frage" zu einem „Stein des Anstoßes" für die revolutionäre marxistische Politik, speziell in den Vereinigten Staaten und Lateinamerika. Wir glauben, daß der unvermeidliche Anfangspunkt, um sich dieser Frage zu stellen, das breite theoretische, methodologische und programmatische Arsenal ist, das Trotzki zum Studium der Probleme des nachrevolutionären Rußland und seiner bürokratischen Degenerierung ausgearbeitet hat, erweitert durch die Bilanz des Desasters, in das der Stalinismus die Sowjetunion und die Länder des Ostens geführt hat. Die von Trotzki in brillianten Analysen, wie in der Verratenen Revolution, verfeinerte Methode erlaubt den Determinismus einer rein ökonomischen Betrachtungsweise (den einige haben, die der Meinung sind, die kapitalistische Restauration sei schon realisiert oder unvermeidlich) oder den Subjektivismus einer im wesentlichen politischen Betrachtungsweise (die eine Garantie dagegen in der fidelistischen Führung sieht) zu überwinden und, wesentlich, eine marxistische Analyse (zusammenhängend und dynamisch) mit der Strategie der politischen Revolution als einem teilweisen Ausdruck der Theorie und des Programms der permanenten Revolution zu artikulieren und erlaubt eine unabhängige und revolutionäre Arbeiterpolitik für die konsequente Verteidigung der Revolution vor ihren äußeren und inneren Feinden zu entwerfen.
Die kubanische Revolution stellt die Prinzipien der 60er Jahre dar, mit dem hinauswerfen des Imperialismus und der Enteignung der Kapitalisten und der einheimischen und ausländischen Großgrundbesitzer, der Errichtung des ersten Arbeiterstaates von Amerika und der großen Eroberung der lateinamerikanischen Massen in ihrem Kampf gegen kapitalistische und imperialistische Ausbeutung. Jetzt, wo die Arbeiterklasse von Kuba den vielleicht schwierigsten Problemen und Aufgaben in ihrer Geschichte gegenübersteht, braucht sie mehr als jemals ein Programm und eine marxistische und internationalistische Klassenstrategie, die sich zu einem Programm der Arbeiterdemokratie, der politischen Revolution und des Anstoßes zu einer internationalen sozialistischen Revolution entwickeln kann. Die Verteidigung von Kuba verlangt die Revolution zu revolutionieren.
Die Beurteilung der Situation der kubanischen Wirtschaft, des Grades des Vordringens der restaurationistischen Tendenzen und der Veränderungen in der sozialen Struktur, in der Dynamik der politischen Kräfte und in der Situation der Arbeiterklasse ist grundlegend für die Ausarbeitung einer programmatischen und politischen Antwort auf die strategischen Aufgaben des kubanischen Proletariats. Das ist die Orientierung, die die fortgeschrittensten Elemente in Kuba benötigen, die einen Weg suchen der sowohl vom Fidelismus und seinen Freunden als auch von den probürgerlichen und proimperialistischen „Dissidenten" unabhängig ist. Diese Arbeit versucht ein kleiner Beitrag in diese Richtung zu sein. Es wurde vorzugsweise auf offizielle Daten und auf Veröffentlichungen von staatlichen und universitären Institutionen von Kuba zurückgegriffen.
Die Wirtschaft der „Spezialperiode"
I „Verteidigung des Sozialismus" oder Rückkehr zum Kapitalismus?
Das „optimistische" offizielle Trugbild der kubanischen Regierung behauptet, daß das schlimmste der Krise der 90er Jahre schon hinter uns liegt. Die Politik der sogenannten „Spezialperiode in Zeiten des Friedens", basierend auf der wirtschaftlichen „Öffnung", dem freien Kurs des Dollars, den Marktreformen und den Zugeständnissen an das ausländische Kapital, die als nötiges aber zeitweiliges Zugeständnis dargestellt wurde, setzte sich zur gleichen Zeit durch, als erklärt wurde, daß der „Aufbau des Sozialismus endgültig ist". Die Erholung, die auf die kritischen Jahre 1992 - 94 folgte, wird als Beweis des Erfolges und der Richtigkeit dieser Politik und Garantie des Überlebens des „kubanischen Gegenmodells" angeboten. Ein Bewunderer der gegenwärtigen Orientierung sagt: „Der pragmatische pluralistische Sozialismus der während der 90er durch Anstöße der dramatischen Umstände ausgeübt wurde ist gar kein Paradies sondern besser gesagt eine vernünftige Alternative, die den Kubanern erlaubt, in einer karibischen und lateinamerikanischen Umgebung, die jeden Tag mehr der Hölle gleicht, in Würde zu überleben."1
Wir leugnen nicht, daß ein kleines Land, schwach und bedrückt durch die imperialistische Belagerung, sich gezwungen sieht Zugeständnisse zu machen und zu manövrieren, ausnutzend die Widersprüche des Weltmarktes, um zu überleben. Trotzdem, weit entfernt eine „vernünftige Alternative" zu sein, untergräbt die von Fidel und der kubanischen Führung als Antwort auf die Krise der 90er angenommene Orientierung schwerwiegend die fundamentalen Grundlagen der nationalisierten Wirtschaft und ermutigt die Bildung von starken prokapitalistischen Kräften auf der Insel und bereitet neue Krisen vor.
Die „Freunde von Fidel" behaupten „Es ist nicht möglich, gegenwärtig vom einem Übergang zum Kapitalismus auf Kuba zu sprechen."2 Ausgehend von einem gegensätzlichen Blickwinkel gelangen viele kubanisch - amerikanisch „Kubanologen" und die Vertreter der „Dissidenten" zu ähnlichen Schlußfolgerungen: „In Kuba findet ein sozialer Übergang statt der in den letzten 3 oder 4 Jahren seinen Rhythmus merklich beschleunigt hat, nachdem der Beginn am Anfang der 90er Jahre sehr langsam war. Aber er ist noch nicht ausreichend um zu erlauben in kurzer Frist den Weg zur Demokratie zu öffnen." Es gibt dabei ein Körnchen Wahrheit: Kuba hat noch nicht aufgehört ein Arbeiterstaat zu sein. Aber Tatsache ist, daß die Politik der Reformen der kubanischen Führung zu einer Zerstörung der nationalisierten Wirtschaft führt und die starken prokapitalistischen Tendenzen anheizt, die drohen unkontrollierbar zu werden und zum Ruin der kubanischen Revolution führen. Es steht auf dem Spiel ob die grundlegenden Eroberungen der Revolution geschützt werden, die die elementaren Grundlagen des Übergangs zum Sozialismus sind, oder ob Kuba das selbe Schicksal wie die alte Sowjetunion, die Länder Osteuropas und China erleidet, das heißt, ob es zum Abgrund der Zerstörung und der kapitalistischen Restauration steuert.
Der Charakter der kubanischen sozialen Formation
Der Staat, der aus der Revolution entstand, war seit seiner Geburt ein deformierter Arbeiterstaat, weil es keine Regierung der Arbeiterdemokratie gab und sich unter dem Schutz der fidelistischen Führung schnell eine privilegierte Bürokratie herauskristallisierte, ein parasitärer Körper am entstehenden Organismus des Kubas der Arbeiter und Bauern. Dieser Prozeß wurde erleichtert durch die schnelle Integration der Insel in das sogenannte „sozialistische Lager" unter dem Schutz der Sowjetunion.
Vom Standpunkt der Entwicklung des Übergangs zum Sozialismus war diese Erscheinung entscheidend für die Widersprüche und besonderen Wesenszüge der nachrevolutionären sozialen Formation und ihrer Dynamik.
Die Enteignung der kubanischen Bourgeoisie, die Nationalisierung des größten Teils des Bodens und die Verdrängung des Imperialismus schufen die unentbehrlichen Grundlagen um den Übergang zum Sozialismus einzuleiten: die Nationalisierung der wichtigsten Produktionsmittel, die Einführung des Außenhandelsmonopols, das Verbot der Ausbeutung von Lohnarbeit, die Wirtschaftsplanung usw. Aber diese Wandlungen von historischer Bedeutung verschafften nur die Grundlage, um den Übergang einzuleiten. Der Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft ist eine Aufgabe von historischer Tragweite, die nur im Weltmaßstab gelöst werden kann, mit der endgültigen Niederlage des Imperialismus und auf der breitesten Entwicklung der Produktivkräfte und der Kultur. Natürlich kann ein rückständiges und halbkoloniales kleines Land, mit einem sehr niedrigen Niveau der Industrialisierung, knappen Ressourcen und kleiner Bevölkerung, isoliert und knapp 90 Meilen vom hegemonialen Imperialismus entfernt, nicht allein den Weg zum Sozialismus vollenden.
Aber die entscheidende Frage ist, daß die fidelistische Bürokratie eine schwere soziale und politische Reaktion innerhalb der Revolution bedeutet. In der gleichen Zeit, als sie die Insel gegen den Imperialismus verteidigte und in einer ersten Periode die revolutionären Eroberungen festigte (obwohl mit desaströsen Methoden), provozierte sie schwerste Verzerrungen und Deformationen am jungen Arbeiterstaat. Trotz der anfänglichen Fortschritte, die die ungeheure Überlegenheit der nationalisierten Wirtschaft über den halbkolonialen Kapitalismus bewiesen, brachten der bürokratische Parasitismus und seine desaströse Führung (unter dem utopischen Anspruch des „Aufbaus des Sozialismus auf einer einzelnen Insel") unvermeidlich mehrfache Niederlagen, Disproportionen in der Wirtschaft, wachsende Unzufriedenheit bezüglich der Befriedigung der Bedürfnisse der Massen und technologische Rückständigkeit. Dadurch wurde die Möglichkeit blockiert, weiter Schritte im Übergang zum Sozialismus zu machen. Die Ausdehnung seiner Herrschaft begann dazu zu führen, die wesentlichen Eroberungen der Revolution in die aktuelle schwere Krise zu bringen und sie schließlich mit dem Ruin zu bedrohen.
Wenn wir eine Kurve der ökonomischen Entwicklung des nachrevolutionären Kuba zeichnen, können wir schematisch sagen:
- 1959 - 65. Der Ausgangspunkt (die Phase der „Revolution des Gegenschlags", die wir in einem anderen Artikel dieses Dossiers analysieren) und der Zeitpunkt der Befestigung der nationalisierten Wirtschaft und der neuen Sozialstruktur, in dem sich die Bürokratie herauskristallisierte und das politische System seine grundlegenden Umrisse erwarb. Es wurde, trotz der Belagerung durch den Imperialismus und der geerbten Rückständigkeit, ein wichtiger Prozeß der Entwicklung der Produktivkräfte, des materiellen und kulturellen Niveaus des kubanischen Volkes eingeleitet, was einen historischen Sprung vorwärts bedeutete.
- 1965 - Ende der 70er: bedeuteten den mißglückten Versuch der Industrialisierung und den Schritt von der relativen Autonomie (abgeschlossen durch die Krise bei der großen Zuckerrohrernte <zafra> von 1970) zur Integration in den RGW, das volle Bündnis mit der Sowjetunion. Der nach der Krise von 1970 von Fidel gewählte Weg war die enge Verbindung mit dem „sozialistischen Lager", wodurch die „Spezialisierung" auf Zucker und einige wenige andere Produkte als Teil der angeblichen „sozialistischen Arbeitsteilung" auf den Märkten des RGW verstärkt wurde. Das, zusätzlich zur massiven sowjetischen Hilfe (in Anleihen, lieferbar in Erdöl usw.), hatte für einige Jahre Wirkungen, die erlaubten, die Erdrosselung der kubanischen Wirtschaft zu mildern und Mittel für die Verbesserung des Sozialsystems und des kulturellen Niveaus zu verwenden. Ohne Zweifel waren die strukturellen Ergebnisse desaströs. Nicht nur weil sie die Möglichkeit einer großen industriellen und technologischen Entwicklung blockierten, sondern auch weil sich die Grenzen des „sozialistischen Austausches" dramatisch gegen Kuba wendeten und sich die bürokratische Deformation hervorhob, die das „sowjetische Modell" extrem nachahmte.
- Anfang der 80er - 1989: Die Tendenz zur Stagnation konnte nicht überwunden werden und trotz des Zickzacks mißglückten systematisch die Anstrengungen der Regierung: vom Versuch einiger frühzeitiger Marktreformen, wie der Eröffnung der Bauernmärkte und Freiräumen für selbständige Arbeit am Ende der 70er, ging man 1986 über zur „Periode der Berichtigung von Fehlern und negativen Tendenzen", ohne große Erfolge zu erzielen. Wenn bis 1985 die kubanische Wirtschaft jährlich um durchschnittlich 3,1% wuchs, setzte seit diesem Jahr die „Verlangsamung und die Instabilität" ein, bis zum Beginn der entscheidenden Krise 1990.
Schon in den 80er Jahren war es deutlich, daß Kuba die typischen Widersprüche jeder bürokratischen Planung erlitt. Ernest Mandel faßte sie so zusammen: „Der Widerspruch zwischen dem geplanten Charakter der sowjetischen Wirtschaft und dem privaten Interesse der Bürokratie, betrachtet als hauptsächlichen Motor für die Erfüllung des Plans (...) seine Effekte kombinieren sich mit zwei anderen Widersprüchen, die aus dieser bürokratischen Maßnahme resultieren: der Widerspruch zwischen dem hohen Entwicklungsniveau der Produktivkräfte und dem Mangel an Konsumgütern auf der einen Seite, der Widerspruch zwischen den Bedürfnissen der vollständigen Planung und den unheilvollen Konsequenzen der bürokratischen Überzentralisierung auf der anderen Seite."3 Im Fall von Kuba finden sich diese Widersprüche wegen seiner besonderen Situation verschärft: der geerbte Charakter der von Agrarexporten abhängigen und rückständigen Wirtschaft, die kleine Bevölkerungszahl und der Mangel an eigenen materiellen Mitteln, die Isolation durch die imperialistische Einkreisung und die sowjetische Politik, die eine untergeordnete Spezialisierung Kubas auf den Märkten des RGW als Gegenleistung für seine massive Hilfe erzwang (die untergeordnete Spezialisierung verewigte die historischen Deformationen der auf Zucker ausgerichteten Wirtschaft und schuf neue).
Die schlechten Folgen der bürokratischen Maßnahmen waren eine unbestreitbare Erscheinung: „Die Baubetriebe gewannen mehr, wenn sie Erde bewegten, wenn sie den Bau anfingen, wenn sie die Fundamente legten, wenn sie Gerüste montierten; sie gewannen viel mehr und hatten Zulagen, Prämien usw., aber wenn sie den Bau zu beenden hatten, war die Produktivität sofort sehr viel niedriger, es gab kein Interesse, den Bau zu vollenden (...) die Baustellen fingen an, sich zu verewigen und wurden nicht beendet (...) Gemäß einer Analyse von CEE (...) hat sich die durchschnittliche Verzögerung zeitlich rasch vergrößert, am Ende der analysierten Periode <1980 - 1988> hatte sich die Zeitdauer der Bauausführung praktisch verdreifacht (...) Die selbe Quelle zeigt andere Probleme, die sich auf den Prozeß der Investitionen beziehen, wie den Anstieg der Kosten für Investitionen, die den Gesamtwert der Investitionen weit übersteigen, sowie die Änderungen beim Fortgang der Realisierung von Projekten, gelegentlich auf Baustellen, wo sogar Investitionen ohne vorbereitete Dokumentation durchgeführt werden." 4Eine andere neue Studie zieht eine nächste Bilanz über den veralteten „Standard des industriellen Wachstums": „die industriellen Kapazitäten entwickeln sich gestützt auf die Verwendung von Technologien, die charakterisiert sind durch eine merkliche Verspätung gegenüber den Weltstandards, gestiegenes Niveau des Verbrauchs von Energie, Kraftstoffen und primären Rohstoffen, unflexible technisch - produktive Schemata und ein niedriges Niveau der Integration, Kooperation und produktiven internen Ergänzung."5
Mit diesen Methoden war es unmöglich, die wirtschaftliche Stagnation, die Verspätung in der technologischen Erneuerung, die niedrige Arbeitsproduktivität, die Probleme des Mangels, die schlechte Qualität der Konsumgüter usw. zu bewältigen. Nach 1989 konnte die explosive Kombination der äußeren Wirkungen (der Zusammenbruch der Sowjetunion und der schlagartige Abbruch der Verbindungen, von denen Kuba abhing) und der von innen kommenden Krise, die durch die bürokratischen Maßnahmen verursacht war, nur katastrophale Ergebnisse haben.
Der Charakter der kubanischen sozialen Formation
Der Staat, der aus der Revolution entstand, war seit seiner Geburt ein deformierter Arbeiterstaat, weil es keine Regierung der Arbeiterdemokratie gab und sich unter dem Schutz der fidelistischen Führung schnell eine privilegierte Bürokratie herauskristallisierte, ein parasitärer Körper am entstehenden Organismus des Kubas der Arbeiter und Bauern. Dieser Prozeß wurde erleichtert durch die schnelle Integration der Insel in das sogenannte „sozialistische Lager" unter dem Schutz der Sowjetunion.
Vom Standpunkt der Entwicklung des Übergangs zum Sozialismus war diese Erscheinung entscheidend für die Widersprüche und besonderen Wesenszüge der nachrevolutionären sozialen Formation und ihrer Dynamik.
Die Enteignung der kubanischen Bourgeoisie, die Nationalisierung des größten Teils des Bodens und die Verdrängung des Imperialismus schufen die unentbehrlichen Grundlagen um den Übergang zum Sozialismus einzuleiten: die Nationalisierung der wichtigsten Produktionsmittel, die Einführung des Außenhandelsmonopols, das Verbot der Ausbeutung von Lohnarbeit, die Wirtschaftsplanung usw. Aber diese Wandlungen von historischer Bedeutung verschafften nur die Grundlage, um den Übergang einzuleiten. Der Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft ist eine Aufgabe von historischer Tragweite, die nur im Weltmaßstab gelöst werden kann, mit der endgültigen Niederlage des Imperialismus und auf der breitesten Entwicklung der Produktivkräfte und der Kultur. Natürlich kann ein rückständiges und halbkoloniales kleines Land, mit einem sehr niedrigen Niveau der Industrialisierung, knappen Ressourcen und kleiner Bevölkerung, isoliert und knapp 90 Meilen vom hegemonialen Imperialismus entfernt, nicht allein den Weg zum Sozialismus vollenden.
Aber die entscheidende Frage ist, daß die fidelistische Bürokratie eine schwere soziale und politische Reaktion innerhalb der Revolution bedeutet. In der gleichen Zeit, als sie die Insel gegen den Imperialismus verteidigte und in einer ersten Periode die revolutionären Eroberungen festigte (obwohl mit desaströsen Methoden), provozierte sie schwerste Verzerrungen und Deformationen am jungen Arbeiterstaat. Trotz der anfänglichen Fortschritte, die die ungeheure Überlegenheit der nationalisierten Wirtschaft über den halbkolonialen Kapitalismus bewiesen, brachten der bürokratische Parasitismus und seine desaströse Führung (unter dem utopischen Anspruch des „Aufbaus des Sozialismus auf einer einzelnen Insel") unvermeidlich mehrfache Niederlagen, Disproportionen in der Wirtschaft, wachsende Unzufriedenheit bezüglich der Befriedigung der Bedürfnisse der Massen und technologische Rückständigkeit. Dadurch wurde die Möglichkeit blockiert, weiter Schritte im Übergang zum Sozialismus zu machen. Die Ausdehnung seiner Herrschaft begann dazu zu führen, die wesentlichen Eroberungen der Revolution in die aktuelle schwere Krise zu bringen und sie schließlich mit dem Ruin zu bedrohen.
Wenn wir eine Kurve der ökonomischen Entwicklung des nachrevolutionären Kuba zeichnen, können wir schematisch sagen:
- 1959 - 65. Der Ausgangspunkt (die Phase der „Revolution des Gegenschlags", die wir in einem anderen Artikel dieses Dossiers analysieren) und der Zeitpunkt der Befestigung der nationalisierten Wirtschaft und der neuen Sozialstruktur, in dem sich die Bürokratie herauskristallisierte und das politische System seine grundlegenden Umrisse erwarb. Es wurde, trotz der Belagerung durch den Imperialismus und der geerbten Rückständigkeit, ein wichtiger Prozeß der Entwicklung der Produktivkräfte, des materiellen und kulturellen Niveaus des kubanischen Volkes eingeleitet, was einen historischen Sprung vorwärts bedeutete.
- 1965 - Ende der 70er: bedeuteten den mißglückten Versuch der Industrialisierung und den Schritt von der relativen Autonomie (abgeschlossen durch die Krise bei der großen Zuckerrohrernte <zafra> von 1970) zur Integration in den RGW, das volle Bündnis mit der Sowjetunion. Der nach der Krise von 1970 von Fidel gewählte Weg war die enge Verbindung mit dem „sozialistischen Lager", wodurch die „Spezialisierung" auf Zucker und einige wenige andere Produkte als Teil der angeblichen „sozialistischen Arbeitsteilung" auf den Märkten des RGW verstärkt wurde. Das, zusätzlich zur massiven sowjetischen Hilfe (in Anleihen, lieferbar in Erdöl usw.), hatte für einige Jahre Wirkungen, die erlaubten, die Erdrosselung der kubanischen Wirtschaft zu mildern und Mittel für die Verbesserung des Sozialsystems und des kulturellen Niveaus zu verwenden. Ohne Zweifel waren die strukturellen Ergebnisse desaströs. Nicht nur weil sie die Möglichkeit einer großen industriellen und technologischen Entwicklung blockierten, sondern auch weil sich die Grenzen des „sozialistischen Austausches" dramatisch gegen Kuba wendeten und sich die bürokratische Deformation hervorhob, die das „sowjetische Modell" extrem nachahmte.
- Anfang der 80er - 1989: Die Tendenz zur Stagnation konnte nicht überwunden werden und trotz des Zickzacks mißglückten systematisch die Anstrengungen der Regierung: vom Versuch einiger frühzeitiger Marktreformen, wie der Eröffnung der Bauernmärkte und Freiräumen für selbständige Arbeit am Ende der 70er, ging man 1986 über zur „Periode der Berichtigung von Fehlern und negativen Tendenzen", ohne große Erfolge zu erzielen. Wenn bis 1985 die kubanische Wirtschaft jährlich um durchschnittlich 3,1% wuchs, setzte seit diesem Jahr die „Verlangsamung und die Instabilität" ein, bis zum Beginn der entscheidenden Krise 1990.
Schon in den 80er Jahren war es deutlich, daß Kuba die typischen Widersprüche jeder bürokratischen Planung erlitt. Ernest Mandel faßte sie so zusammen: „Der Widerspruch zwischen dem geplanten Charakter der sowjetischen Wirtschaft und dem privaten Interesse der Bürokratie, betrachtet als hauptsächlichen Motor für die Erfüllung des Plans (...) seine Effekte kombinieren sich mit zwei anderen Widersprüchen, die aus dieser bürokratischen Maßnahme resultieren: der Widerspruch zwischen dem hohen Entwicklungsniveau der Produktivkräfte und dem Mangel an Konsumgütern auf der einen Seite, der Widerspruch zwischen den Bedürfnissen der vollständigen Planung und den unheilvollen Konsequenzen der bürokratischen Überzentralisierung auf der anderen Seite."6 Im Fall von Kuba finden sich diese Widersprüche wegen seiner besonderen Situation verschärft: der geerbte Charakter der von Agrarexporten abhängigen und rückständigen Wirtschaft, die kleine Bevölkerungszahl und der Mangel an eigenen materiellen Mitteln, die Isolation durch die imperialistische Einkreisung und die sowjetische Politik, die eine untergeordnete Spezialisierung Kubas auf den Märkten des RGW als Gegenleistung für seine massive Hilfe erzwang (die untergeordnete Spezialisierung verewigte die historischen Deformationen der auf Zucker ausgerichteten Wirtschaft und schuf neue).
Die schlechten Folgen der bürokratischen Maßnahmen waren eine unbestreitbare Erscheinung: „Die Baubetriebe gewannen mehr, wenn sie Erde bewegten, wenn sie den Bau anfingen, wenn sie die Fundamente legten, wenn sie Gerüste montierten; sie gewannen viel mehr und hatten Zulagen, Prämien usw., aber wenn sie den Bau zu beenden hatten, war die Produktivität sofort sehr viel niedriger, es gab kein Interesse, den Bau zu vollenden (...) die Baustellen fingen an, sich zu verewigen und wurden nicht beendet (...) Gemäß einer Analyse von CEE (...) hat sich die durchschnittliche Verzögerung zeitlich rasch vergrößert, am Ende der analysierten Periode <1980 - 1988> hatte sich die Zeitdauer der Bauausführung praktisch verdreifacht (...) Die selbe Quelle zeigt andere Probleme, die sich auf den Prozeß der Investitionen beziehen, wie den Anstieg der Kosten für Investitionen, die den Gesamtwert der Investitionen weit übersteigen, sowie die Änderungen beim Fortgang der Realisierung von Projekten, gelegentlich auf Baustellen, wo sogar Investitionen ohne vorbereitete Dokumentation durchgeführt werden."7 Eine andere neue Studie zieht eine nächste Bilanz über den veralteten „Standard des industriellen Wachstums": „die industriellen Kapazitäten entwickeln sich gestützt auf die Verwendung von Technologien, die charakterisiert sind durch eine merkliche Verspätung gegenüber den Weltstandards, gestiegenes Niveau des Verbrauchs von Energie, Kraftstoffen und primären Rohstoffen, unflexible technisch - produktive Schemata und ein niedriges Niveau der Integration, Kooperation und produktiven internen Ergänzung."8
Mit diesen Methoden war es unmöglich, die wirtschaftliche Stagnation, die Verspätung in der technologischen Erneuerung, die niedrige Arbeitsproduktivität, die Probleme des Mangels, die schlechte Qualität der Konsumgüter usw. zu bewältigen. Nach 1989 konnte die explosive Kombination der äußeren Wirkungen (der Zusammenbruch der Sowjetunion und der schlagartige Abbruch der Verbindungen, von denen Kuba abhing) und der von innen kommenden Krise, die durch die bürokratischen Maßnahmen verursacht war, nur katastrophale Ergebnisse haben.
Fußnoten
1 Jorge Beinstein, „El contramodelo cubano: un muerto que goza de buena salud", Übernommen von http://www.espaimarx.org, Artikel eingefügt am 12. November 2000.
2 Remy Herrera, „Cuba: la resistencia socialista en America latina" aus www.rebelion.org.
3 Ernest Mandel, Tratado de Economia marxista, Band III, S. 78, Mexiko, Ediciones Era, 1975
4 José A. Massip, Ernesto Hernandez Garcia, Boris Nerey Obregon, „La empresa estatal cubana y el Proceso de Perfeccionamiento Empresarial", Cuba XXI.
5 Hiram Marquetti Nodarse, „El nuevo patron de crecimiento industrial: principales restricciones", Cuba XXI, Nr. 15, Februar 2003
6 Ernest Mandel, Tratado de Economia marxista, Band III, S. 78, Mexiko, Ediciones Era, 1975
7 José A. Massip, Ernesto Hernandez Garcia, Boris Nerey Obregon, „La empresa estatal cubana y el Proceso de Perfeccionamiento Empresarial", Cuba XXI.
8 (6) Hiram Marquetti Nodarse, „El nuevo patron de crecimiento industrial: principales restricciones", Cuba XXI, Nr. 15, Februar 2003(6) Hiram Marquetti Nodarse, „El nuevo patron de crecimiento industrial: principales restricciones", Cuba XXI, Nr. 15, Februar 2003