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Bushs
kriegerische Offensive
Ein
Versuch die imperialistische Hegemonie neu zu definieren
von Juan Chingo und Aldo Santos
Auf
Grund der neuerlichen Interventionspolitik, die die USA als aggressive
Reaktion auf die Attentate vom elften September verfolgen und
die sich auf ihre unvergleichliche militärische Vormachtstellung
stützt, behaupten viele Analytiker, dass wir uns an der Schwelle
zu einer neuen Ära der amerikanischen Supermacht befinden.
Von der weltweiten Wirtschaftskrise und den Gründen, die
die USA zu diesem offensiven Versuch, die Weltordnung neu zu gestalten,
veranlassen ausgehend, betrachten wir in diesem Artikel die Wahrscheinlichkeit
dass diese Strategie für sie zu einem Erfolg bzw. im Gegenteil
eher zu einer Beschleunigung ihres Niedergangs und zur Entstehung
einer weltweiten "Unordnung" führt.
Der Charakter
der aktuellen Weltwirtschaftskrise
Die derzeitige
Krise zeichnet sich durch einen starken deflationären Druck
im Zusammenhang mit einer extremen Ungleichheit innerhalb der
Weltwirtschaft aus.
Die Kluft zwischen den Ländern mit einem Haushaltsüberschuss
wie zum Beispiel Europa und Asien, Japan eingeschlossen, und den
Ländern mit einem Haushaltsdefizit, hauptsächlich die
USA, ist ein ständiger möglicher Destabilisierungsfaktor
für die Weltwirtschaft (siehe Tabelle 1). Diese Kluft beträgt
zur Zeit die Kleinigkeit von 2,5% des weltweiten Bruttoertrags.
Der Level des Handelsungleichgewichts hat Ausmaße erreicht
wie man sie in den Industrieländern seit der Nachkriegszeit
nicht mehr kennt.
Der deflationäre Druck ergibt sich aus der Kombination von
zwei strukturellen Ursachen.
Erstens gibt es eine ungeheure Kapitalakkumulation in den meisten
Sektoren der Wirtschaft, angefangen bei der Automobilbranche bis
hin zur Stahlproduktion, jedoch ganz besonders in den Sektoren
der Informatik und der Telekommunikation ("high tech"), welche
die dynamischsten Wirtschaftszweige während des vorherigen,
US zentrierten, Wirtschaftskreislaufs waren. Der Konjunkturrückgang
in diesem Land , das seit 1995 letztlich als Konsument und Motor
der Weltwirtschaft wirkte1, hat zu einem drastischen Anstieg der
weltweiten Warenüberproduktion geführt.
Die zweite
Ursache liegt in dem bedeutenden Fortschritt der Internationalisierung
der Wirtschaft. Dieser spiegelt sich in der, im Vergleich zur
Produktion, unverhältnismäßigen Zunahme des Handels,
in der Existenz eines globalen Finanzmarktes, in der Welle von
Fusionen und Übernahmen, die in letzter Zeit die zentralen
Länder überschwemmt haben und in einer Kapitalabwanderung
in bestimmte Zonen der Peripherie wieder (siehe Mexiko und die
NAFTA, Südostasien und China, die Ausdehnung der EU nach
Osten, und in Richtung auf einige nordafrikanischer Staaten und
die Türkei). Dieser Prozess, der sich seit den 70er Jahren
immer mehr beschleunigt hat, um der sinkenden (Tendenz der) Profitrate
entgegen zu wirken, hat mehr und mehr an Wichtigkeit für
die Weltwirtschaft gewonnen. Die neue Art der Arbeitsteilung,
die diese Produktionsstrategie der Großkonzerne mit sich
bringt, hat weltweit zu einer wachsenden Gravität des Wertegesetzes
geführt. Der große Einfluss den die transnationalen
Konzerne, besonders in der Produktion von austauschbaren Gütern,
aber auch in zunehmenden Maße in anderen Bereichen der Kapitalbewertung
haben, führt zu einer weltweit (einheitlichen) Preisbildung
in immer mehr Wirtschaftszweigen.
Tabelle 1.
Haushaltsbilanz in den wichtigsten Regionen
|
Haushaltsumsätze
in wichtigen Regionen
|
|
|
1997
|
2000
|
2001
|
2002*
|
|
In
tausend Millionen US Dollar
|
|
Vereinigte
Staaten
|
-140
|
-445
|
-417
|
-435
|
|
Europäische
Union
|
107
|
-28
|
29
|
30
|
|
Japan
|
97
|
119
|
89
|
110
|
|
Asien
(Tigerstaaten)
|
20
|
92
|
99
|
78
|
* geschätzt
Quelle: 72nd Annual Report, Bank for International Settlements,
S. 29.
Angesichts dieser Fakten springt die zunehmende Bedeutung Chinas
als dem Manufakturbetrieb der Welt immer mehr ins Auge. Diese
beruht auf dem Überfluss an billiger Arbeitskraft, der durch
die riesige Reserve einer ungeheuer vielköpfigen Landbevölkerung
bedingt ist. Die billigen Exporte, sowohl der multinationalen
Unternehmen mit Dependancen in China, als auch der chinesischen
Firmen, sind ein nicht zu unterschätzender Faktor der gewaltig
auf die Warenpreise drückt, und dies nicht nur in der "leichten"
Industrie (Stoffe und Spielsachen) sondern in zunehmendem Maße
in der Schwerindustrie und sogar in Sektoren der Computertechnologie.
Dieser Umstand weist China den Platz des viertgrößten
Produzenten von Industriegütern hinter den USA, Deutschland
und Japan zu. Die geringen Lohnkosten machen China zu dem beeindruckenden
Hersteller von weltweit mehr als 50% der Fotoapparate, 30% der
Klimaanlagen und Fernseher, 25% der Waschmaschinen und fast 20%
der Kühlschränke. Sogar in der IT - Branche ist China
heute der drittgrößte Hersteller nach USA und Japan.
Der starke
Konkurrenz - Druck im Exportsektor der Wirtschaft, wie zum Beispiel
der Schwerindustrie, ist die Hauptursache für die deflationären
Tendenzen die die Wirtschaft der zentralen Länder bedrohen.
Dennoch und zum erstenmal in der Geschichte ist auch der Dienstleistungssektor
im Rahmen der weltweiten Wirtschaftskrise nicht mehr immun gegen
diesen Druck. Dies ist eine Folge der immer stärkeren Integration
der Weltwirtschaft und der Fortschritte, welche die Informationswissenschaft
ermöglicht hat. Dies vergrößert das Deflationsrisiko.
Obwohl dieser Prozess noch in seinen Anfängen begriffen ist
(im Vergleich zu den Veränderungen im industriellen Sektor),
kann man jetzt schon seine Folgen für die Rentabilität
der Industriezweige sehen, welche die Verteilung der Waren kontrollieren
(z. B. der Häfen an der Westküste der USA).
Das Zusammenspiel
dieser beiden Kräfte, der Überakkumulation des Kapitals
auf der einen und der immer stärkeren Internationalisierung
der Wirtschaft auf der anderen Seite, gibt der aktuellen Weltwirtschaftskrise
eine ganz andere Qualität, als diejenige der vorherigen Krisen
des Kapitalismus, die seit der Nachkriegszeit aufeinander folgten.
Dies schafft das, seit den 30er Jahren, bisher größte
Risiko einer offenen Deflation2.
Der Dollar
und die Geldausgabe als Hauptursache für die Destabilisierung
der weltweiten Kapitalakkumulation
Die Wurzeln
der aktuellen Krise liegen sowohl in der Krise der Kapitalakkumulation
die in den 70er Jahren begonnen hat als auch in der US amerikanischen
Antwort auf diese Krise. Das Ende des Wirtschaftsbooms der Nachkriegszeit
leitete den historischen Niedergang der USA ein. Der wirtschaftliche
Aufschwung Deutschlands und Japans beendete die erdrückende
wirtschaftliche Überlegenheit der USA und führte zu
einer Aufteilung der Welt unter drei ähnlich starken imperialistischen
Mächten. Wie Ernest Mandel sagte: "...das Gesetz der ungleichen
Entwicklung hat sich zum ersten Mal in der Geschichte gegen den
US Imperialismus gewendet. Die anderen imperialistischen Mächte,
die von einem viel niedrigeren industriellen Entwicklungsstand
ausgegangen sind, haben ihre Industrie viel schneller modernisiert
und beachtliche Produktivitätsvorteile (gegenüber den
USA) errungen. Viele ihrer Waren sind heutzutage von ähnlicher
oder besserer Qualität, und, vor allem, billiger als die
amerikanischen Produkte: die japanischen Schiffe; die europäischen
und japanischen Kleinwagen; die deutschen Maschinen..." Dieser
relative Rückschritt der USA zog den Schlussstrich unter
das "Bretton Woods" System3.
Seit dieser
Zeit bedienen sich die USA der Flexibilität der Währung
und des Fortbestehens des Dollar als Reservewährung bzw.
als weltweit anerkanntes Zahlungsmittel um der Krise entgegenzusteuern,
indem sie diese privilegierte Stellung zu ihren Gunsten nutzen.
Dies können sie jedoch nur auf Grund ihrer Vormachtstellung.
Der dadurch bedingte enorme wirtschaftliche Vorteil für die
USA ermöglichte es ihnen über ihre Verhältnisse
zu leben, was sich in einem übermäßigem Konsum
und massiven Handelsdefiziten ausdrückt. Indem die USA ihr
Inflation exportierten4, haben sie die Instabilität und die
Ungleichheiten in der Weltwirtschaft vergrößert - wie
die Serie von Währungs-, Finanz- und Börsenkrisen in
den letzten zwei Jahrzehnten gezeigt hat - und auf diese Weise
letztendlich auch den starken deflationären Druck erzeugt
der heute auf der Wirtschaft lastet. In anderen Worten, während
dieser Zeit haben die USA als Hauptfaktor der Destabilisierung
der Kapitalakkumulation auf der ganzen Welt fungiert.
Das Haushaltsdefizit
der USA (und die daraus folgende weltweit höhere Liquidität
des Dollars) ist für die Aufblähung des im Überfluss
vorhandenen "Hot Money" uneingeschränkt verantwortlich. Während
der letzten zwei Jahrzehnte, wurde mit dieser Geldmenge spekuliert,
was dazu beigetragen hat überall auf der Welt "booms" und
Krisen zu generieren. Außerdem war dieses Geld der notwendige
Treibstoff für das amerikanische Bankwesen.
Obwohl dem
weniger Bedeutung beigemessen wurde, war der Inflationsexport
durch die Vereinigten Staaten auch die treibende Kraft hinter
der Überfinanzierung der exportorientierten Industrien. Ob
Japan Ende der 80er Jahre, Südostasien in den 90ern oder
China heute, der überentwickelte US Finanzsektor war, direkt
oder indirekt, der Ursprung des größten Teils der weltweit
verfügbaren Finanzressourcen. Die im Überfluss getätigten
amerikanischen Investitionen im Produktionssektor sind daher auch
die Ursache für den gegenwärtigen Preisverfall. Anders
ausgedrückt: Es ist zwar möglich, dass China heute die
Deflation exportiert, aber der Ursprung des Problems liegt im
Inflationsexport der USA.
Der Effekt
von alledem ist, dass die Weltwirtschaft an Dynamik verloren hat,
trotz des Mini - Booms der amerikanischen Wirtschaft in der zweiten
Hälfte der 90er Jahre (siehe Tabelle 2). Wie Robert Brenner
darlegt: "die grundlegende Schwäche des Systems im Ganzen
und seines amerikanischen Parts im Besonderen, zeigt sich darin,
dass die wirtschaftliche Leistung aller fortgeschrittenen kapitalistischen
Wirtschaftssysteme zusammengenommen während des gesamten
Wirtschaftszyklus der 90er Jahre, gemessen an allen Durchschnittswerten
- Wachstum des Bruttosozialprodukts, Pro - Kopf Einkommen, Arbeitsproduktivität
und Reallöhnen, sowie der Arbeitslosenquote - auf dem Level
der 80er Jahren stagnierte. Dieser wiederum lag an sich schon
unter dem der 70er Jahre, welcher natürlich weit unter dem
der 60er und 50er Jahre lag." (Robert Brenner, "Die Wirtschaft
nach dem Boom: eine Diagnose", Gegen den Strom).
Der
Hund der sich in den Schwanz beißt
Mitte der 20er
Jahre, wies Trotski auf die Verschiebung der Achse der Weltwirtschaft
aus dem im Niedergang befindlichen Europa (und besonders aus England),
in die aufstrebenden Vereinigten Staaten hin, während er
gleichzeitig vor den Folgen warnte die der zunehmende Abhängigkeit
des alten Kontinents für Amerika haben würde. "Man sagt
im Kriegshandwerk, dass wer den Feind umzingelt und abschneidet,
häufig selbst abgeschnitten wird. In der Wirtschaft gibt
es ein ähnliches Phänomen: je mehr die USA die ganze
Welt ihrem Einfluss unterwerfen, desto mehr werden sie selbst
in Abhängigkeit vom Rest der Welt mit all seinen bevorstehenden
Widersprüchen und Erschütterungen geraten." ("Europa
und Amerika", Rede Trotskis, Moskau, 1926).
Obwohl sich
dieses Zitat auf das in Erscheinung treten der USA als Hegemonialmacht
bezieht, lässt es sich ebenso auf die Periode ihres historischen
Niedergangs anwenden. Genauer gesagt, das Neue an der gegenwärtigen
Krise ist, dass die Strategie der USA, ihre eigenen Probleme auf
den Rest der Welt abzuwälzen, anfängt sich durch den
weltweiten, starken deflationären Druck auch gegen die Wirtschaft
der USA selbst zu richten, indem sie deren Kapazität die
Krise zu überwinden durch dieselben Mechanismen beschränkt,
die diese sich in der Vergangenheit zu Nutze gemacht hat.
Tabelle 2.
Abnehmende wirtschaftliche Dynamik (Variation in Prozent im Jahresmittel)
|
|
1960-69
|
1969-79
|
1979-90
|
1990-95
|
1995-2000
|
1990-2000
|
|
BSP
|
|
|
|
|
|
|
|
Vereinigte
Staaten
|
4.6
|
3.3
|
2.9
|
2.4
|
4.1
|
3.2
|
|
Japan
|
10.2
|
5.2
|
4.6
|
1.7
|
0.8
|
1.3
|
|
Deutschland
|
4.4
|
3.6
|
2.2
|
2.0
|
1.7
|
1.9
|
|
Europäische
Union
|
5.3
|
3.7
|
2.4
|
1.6
|
2.5
|
2.0
|
|
G-7
|
5.1
|
3.6
|
3.0
|
2.5
|
1.9
|
3.1
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
BSP
pro Kopf
|
|
|
|
|
|
|
|
Vereinigte
Staaten
|
3.3
|
2.5
|
1.9
|
1.3
|
3.4
|
2.4
|
|
Japan
|
9.0
|
3.4
|
4.0
|
1.1
|
1.1
|
1.1
|
|
Deutschland
|
3.5
|
2.8
|
1.9
|
7.0
|
1.6
|
4.3
|
|
G-7
|
3.8*
|
2.1**
|
1.9
|
1.2
|
2.5
|
1.8
|
* 1960-73 ** 1973-79
Quelle: Robert Brenner, The Boom and the Bubble, Verso,
2000.
Wenn wir einen
möglichst breiten Preisvergleich betrachten, stellen wir
fest, dass die Preise in den letzten zwölf Monaten um weniger
als ein Prozent gestiegen sind5 - der niedrigste Preisanstieg
innerhalb der letzten 50 Jahre. Außerdem haben, abgesehen
von einigen Artikeln die zusammen weniger als sieben Prozent der
Gesamtmenge darstellen, alle anderen Bereiche einen Preisverfall
erlitten, der z.B. bei PCs bis zu 21% jährlich ausmacht.
In anderen Worten , die Deflation ist bereits Realität geworden
und nimmt in den USA konstant zu. In Verbindung mit dem oben dargestellten
Sachverhalt und laut einer Statistik der US-Handelskammer fällt
der Anteil der Firmengewinne am nationalen Einkommen.
Das extrem
hohe Niveau der Verschuldung von Firmen und Verbrauchern (Kreditkarten,
Hypotheken, etc.), stellt seinerseits eine schwere Bürde
für die gesamte Wirtschaft dar. Die Anzahl der Fälle
von Betrug, der Zahlungsversäumnisse und der Bankrotte steigt
stetig. Mit dem Anwachsen der Schuldenberge geht ein Anstieg der
Firmenpleiten einher. Der letzte Aufsehen erregende Fall war,
dass sich United Airlines, die zweitgrößte amerikanische
Fluglinie, diesen Monat nicht mehr in der Lage sah ihre Schulden
in Höhe von 900 Millionen Dollar zu bezahlen. Auch der Staat
Kalifornien, Heimat der fünftgrößten Wirtschaft
der Welt, sieht sich heute, in Folge phänomenaler Einbußen
an Steuereinkünften im Vergleich zu den Boomjahren der Informatikindustrie,
am Rande des finanziellen Ruins.
Daraufhin hat
die Politik eine plötzliche 180 Grad Wendung, weg von dem
Ziel eines Haushaltsüberschusses, hin zum Anstreben eines
ständig anwachsendem Haushaltsdefizits gemacht. Zusammen
mit dem immer schnelleren Anwachsen der verfügbaren Geldmenge
und einer drastischen Senkung des Leitzinses durch die Nationalbank,
hat dies verhindert, dass die amerikanische Wirtschaft bereits
im Jahr 2002 in Rezession verfallen ist. Jedoch gerät der
industrielle Sektor trotz der zunehmenden Liquidität in immer
größere Schwierigkeiten, was beweist, dass die Krise
im Bereich der Produktion nicht zyklischer, sondern struktureller
Natur ist.
In diesem Rahmen
würde ein Wiederanziehen des Weltwirtschaftswachstums, angekurbelt
durch die USA, nur zu einem weiteren Anwachsen ihres schon jetzt
massiven Haushaltsdefizits führen, dessen Finanzierung in
den letzten Jahrzehnten zu einer Auslandsverschuldung in Höhe
von 25% des Bruttosozialprodukts geführt hat. (Dies verschärfte
das gefährlichen Ungleichgewicht in der Weltwirtschaft und
erhöhte die immer gegenwärtige Gefahr eines plötzlichen
Wertverlustes des Dollars). In anderen Worten, diese Alternative
würde für die Weltwirtschaft, genau wie im Jahre 2002,
nur eine Neuauflage des schwachen und ungleichmäßigen
Wiederaufschwungs bedeuten, gestützt durch eine langfristig
immer weniger haltbare Stellung der Vereinigten Staaten.
Obwohl diese
Möglichkeit im Augenblick die wahrscheinlichste ist, nimmt
angesichts des starken deflationären Drucks und der wachsenden
Auslandsverschuldung der USA die Wahrscheinlichkeit zu, dass diese
versuchen werden ihre Schulden durch die Emission von Dollars
auszugleichen. Erst kürzlich deutete Alan Greenspan, Präsident
der Nationalbank an, dass die Regierung nicht zögern werde,
alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel einzusetzen, um zu
verhindern, dass es auch in den USA zu einer Deflation kommt.
Einer seiner Kollegen von der FED benutzte deutlichere Worte:
"...die Regierung der Vereinigten Staaten verfügt über
eine Technik die sich "Gelddruckpresse" nennt (oder ihr elektronisches
Pendant), die es ihr ermöglicht ohne größeren
Kostenaufwand so viele Dollar zu drucken, wie sie möchte.
Indem sie mehr Dollar in Umlauf bringt oder dies auch nur glaubwürdig
androht, kann die Regierung die Kaufkraft des Dollars senken,
was gleichbedeutend mit einer Verteuerung von Waren und Dienstleistungen
ist. Wir gehen davon aus das in einem (Währungs)system, das
auf der Basis von Papiergeld funktioniert, eine bestimmte Regierung
immer die Möglichkeit hat höhere Kosten und folglich
eine positive Inflation zu erzeugen...Falls uns die Inflation
erreicht...können wir getrost davon ausgehen, dass die Logik
des Beispiels mit der Geldpresse sich von selbst aufdrängt
und dass es immer genügend Geldspritzen geben wird, um die
Gefahr einer Deflation letzten Endes abzuwenden." (Ben Bernanke,
"Deflation: Making Sure It Doesn't Happen Here", Rede vom 21.
November in Washington)
Angesichts
der ausgeprägten rezessiven Tendenzen, die die Weltwirtschaft
bedrohen, würde eine vergleichbare Maßnahme der Deflation
in den übrigen Ländern der Welt extremen Vorschub leisten.
Dies würde aller Wahrscheinlichkeit nach die Handelsbeziehungen
zwischen den imperialistischen Staaten stark beeinträchtigen.
Vor kurzem erst wies der stellvertretende japanische Minister
für internationale Angelegenheiten, Haruhiko Kuroda, auf
die Notwendigkeit einer Devaluation des Yen hin6. Das bloße
in Betracht ziehen dieser Politik der Reflation durch eine (künstlich
herbeigeführte) Geldentwertung auf beiden Seiten des Pazifiks,
verdeutlicht die Risiken eines solchen Devaluationswettstreits
und die dramatischen Perspektiven, die dieser für die internationale
Wirtschaft und die Finanzmärkte eröffnen könnte.
Vergessen wir nicht, dass die Serie von aufeinanderfolgenden,
miteinander wetteifernden Devaluationen in den 30er Jahren letzten
Endes für den Zusammenbruch des Welthandels und die Bildung
einander feindlich gegenüberstehender Wirtschaftsblöcke
verantwortlich war. Dieser Umstand begünstigt die Politisierung
der Handelsstreitigkeiten, die Suche nach einem Sündenbock
bzw. das Appellieren an die Fremdenfeindlichkeit, mit den chinesischen
Exporten und der "gelben Gefahr" als wahrscheinlichem Ziel. All
das, zusammen mit den wachsenden geopolitischen Spannungen, könnte
zur größten Zerreißprobe für die zunehmende
Internationalisierung der Wirtschaft werden. Anders ausgedrückt,
der scharfe Widerspruch zwischen dieser und dem Fortexistieren
von Nationalstaaten würde offener und deutlicher zu Tage
treten.
Die andere
drohende Gefahr ist, dass eine starke Entwertung des Dollars eine
Kapitalflucht aus den USA verursacht und darüber hinaus die
Funktion des Dollars als Stützpfeiler des internationalen
Währungssystems ins Wanken bringt. Die Notwendigkeit einer
offensiven Politik gegen die Deflation steht zwar im Einklang
mit den nationalen Interessen der höchstverschuldeten Nation
der Welt, jedoch in krassem Widerspruch zu denen ihrer (ausländischen)
Gläubiger. Wie der Experte der Northern Trust, Paul Karisel,
zu bedenken gibt: "Die globalen Investoren waren überzeugt
ihre Anleihen so zu vergeben, dass die Aussichten auf eine (Rück)zahlung
der Hauptsumme, der Zinsen und Dividenden in "ehrlichen Dollars"
steigen würden. Allerdings würden die von der Nationalbank
vorgeschlagenen Maßnahmen zur Bekämpfung der Deflation
auf das genaue Gegenteil hinaus laufen. Wenn die Bruttoerträge
nach Abrechnung der Inflation in den ausländischen Finanzmärkten
jetzt schon höher ist als in den USA und wenn man jeden Tag
1.5 Millionen geliehene Dollar auf unproduktive Art und Weise
einsetzt, während man gleichzeitig die höchstverschuldete
Nation der Welt ist, ist es nicht besonders schlau wenn die Funktionäre
der Zentralbank öffentlich verkünden, dass sie bereit
sind die Gelddruckmaschine anzuwerfen."7
Aus all diesen
Gründen könnte eine drastische Abwertung des Dollars,
ohne vorherige internationale Absprache, unbeabsichtigt verheerende
Folgen für die USA selbst haben. Da jedoch alle verschiedenen
Wirtschaftsblöcke selbst an einer Reflationspolitik interessiert
sind, sind die Aussichten auf eine koordinierte Durchführung
verschwindend gering. Angesichts dessen, könnte, wenn Nordamerika
versucht seine Vormachtsstellung auszunutzen und einen unilateralen
Ausweg sucht, das Ergebnis ihnen eher früher als später
selbst schaden. Anders gesagt, wenn die USA auch wieder versuchen
können, ihrer Wirtschaftskrise zu begegnen indem sie sie
auf den Rest der Welt abwälzen, so hat doch die Wahrscheinlichkeit
zugenommen, dass dieses Manöver den Dollar unterminiert,
einen der Hauptpfeiler ihrer Macht in den letzten Jahrzehnten.
Diese Erkenntnis ist einer der Hauptgründe für den Taktikwechsel
Bushs, hin zum verstärkten Einsatz politischer und militärischer
Macht zur Sicherung seiner wirtschaftlichen Position in der Welt.
Historischer
Niedergang und Veränderungen der Herrschaftsstrukturen
(die Macht
der USA während der letzten drei Jahrzehnte)
Der historische
Niedergang der USA, der Anfang der 70er Jahre begann, brachte
eine Veränderung in der Art ihrer Machtstrukturen im Vergleich
zur Hochzeit ihrer Hegemoniestellung mit sich. Jedoch, stoßen
die Machtmechanismen, die sie in den letzten Jahrzehnten angewendet
haben, an unüberwindliche Grenzen, wie die Attentate auf
die Twin Towers und das Pentagon gezeigt haben. Dies zwingt der
imperialistischen Politik eine erneute Kursänderung auf.
- Die amerikanische
Vormachtstellung in der Nachkriegszeit
Nach Ende des
Zweiten Weltkriegs ließ sich die Machtstellung der USA schematisch
wie folgt darstellen:
- Der Aufmarsch
einer, bis dato unvorstellbaren, Streitmacht, mit semipermanenten
Stützpunkten in einer beträchtlichen Anzahl von Ländern.8
- Eine Serie
von politischen und militärischen Bündnissen wie z.B.
der Nato oder dem amerikanisch - japanischem Verteidigungspakt,
die die gegenseitige militärische Unterstützung aller
kapitalistischen Länder unter Führung der USA garantierten
- Das Abkommen
von Jalta, mit der UDSSR, das die Welt in zwei Einflusszonen teilte,
was dazu führte, dass, während einerseits der Kampf
zwischen den beiden entgegengesetzten sozialen Systemen aufrechterhalten
wurde (Kalter Krieg), sich andererseits jedoch die stalinistische
Bürokratie dazu verpflichtete, den "Status quo" aufrechtzuerhalten.
- Die allgemeine
Verbreitung des "Amerikanismus" in den wichtigsten imperialistischen
Staaten der Welt sowie in nicht unbedeutenden Teilen der semikolonialen
Welt, welche die Ausbreitung des amerikanischen Kapitals in die
ganze Welt begleitete und zur kapitalistischen Rekonstruktion
und zum Wiederaufbau Europas und Japans führte.
Diese Periode
wird auch die der "wohlwollenden" oder "gütigen Hegemonie"
genannt. Der Schlüssel zu dem beschriebenen Verhalten der
USA, liegt in der damaligen Notwendigkeit, dem Vordringen des
kommunistischen Einflusses in das vom Krieg verwüstete Europa
und Japan, Einhalt zu gebieten. Der imperialistische amerikanische
Staat fungierte als Garant für die "freie Wirtschaft" und
förderte den ökonomischen Erfolg sowohl seiner Alliierten
als auch seiner Konkurrenten um die Basis seiner Vormachtstellung
politisch zu konsolidieren. Gleichzeitig schuf er einen ausländischen
Markt für die Expansion der heimischen Multinationalen. So
haben die USA, während sie sicherstellten, dass ihre Firmen
den Löwenanteil der weltweiten Kapitalakkumulation einstrichen,
gleichzeitig den außerordentlichen Aufschwung ("Boom") Deutschlands
und Japans, der beiden im Krieg besiegten und zerstörten
Länder, möglich gemacht und gefördert9. In dieser
Periode, in der die USA eine Neuauflage ihrer Hegemoniestellung
zu sichern suchten, verfolgten sie nicht nur ihre eigenen Interessen
auf Kosten ihrer Rivalen, sondern taten dies indem sie die allgemeinen
Bedingungen für die Ausbreitung des Kapitalismus sicherstellten,
woran jene auch interessiert waren.
- Der Anfang
des historischen Niedergangs der USA
Die Krise der
Kapitalakkumulation Anfang der 70er Jahre, das Erscheinen neuer
wetteifernder Mächte und der Aufstieg der Arbeiterklasse
und der Massenbewegungen `68/`81, sowohl in den zentralen Ländern
als auch, sogar noch zugespitzter, in der Peripherie, untergruben
die relative Stabilität des Paktes von Yalta, der von den
USA dominiert wurde, und stellte so die Basis ihrer Macht in Frage.
Das Scheitern
der amerikanischen Armee in Vietnam war der Wendepunkt, der, seit
Nixon, zu einer ganzen Reihe von Veränderungen in ihrem Herrschafts-Mechanismus
geführt hat. Wie Henry Kissinger in seinem Buch "Die Diplomatie"
schreibt: "Die bedrückende Aufgabe die USA aus dem Vietnamkrieg
zurückzuziehen bedeutete für Nixon letztlich den Versuch,
ihre Ansehen in der Welt zu wahren. Aber selbst ohne diese Hölle
wären eine tiefgreifende Re-Evaluation der amerikanischen
Außenpolitik notwendig gewesen, da die Epoche der fast unangefochtenen
amerikanischen Alleinherrschaft sich ihrem Ende zuneigte. Die
nukleare Überlegenheit der USA wurde langsam immer weniger
und ihre wirtschaftliche Vorherrschaft wurde durch das dynamische
Wirtschaftswachstum in Europa und Japan in Frage gestellt, die
beide mit Hilfe amerikanischer Mittel wieder aufgebaut worden
waren und durch amerikanische Sicherheitsgarantien geschützt
wurden. Das Vietnamdebakel machte schließlich deutlich dass
es höchste Zeit war die Rolle der USA in den Entwicklungsländern
neu zu überdenken und sicheren Boden irgendwo zwischen Rückzug
und übertriebener Expansion zu finden."
Diese Neugestaltung
hatte einen defensiven Charakter unter Nixon, Ford und Carter
in den 70er Jahren und wurde immer offensiver unter Reagan in
den 80ern. Diese Entwicklung setzte sich nach dem Zusammenbruch
der UDSSR unter der Präsidentschaft von Bush Senior und Clinton
durch die ganzen 90er Jahre hinweg fort. Dies bedeutete:
- Eine vorsichtigere
Interventionspolitik und die Einschränkung militärischer
Operationen der US Armee im Ausland aufgrund des "Vietnam-Syndroms".
Die Unterstützung autoritärer Regimes, die eine Konstante
der amerikanischen Außenpolitik während der Periode
des kalten Kriegs war, wurde durch den verdeckten Einsatz irregulärer
Truppen ersetzt, wie z.B. der "Contra" in Nicaragua oder der "Mudjaheddin"
in Afghanistan. Andererseits verfolgten die USA eine Politik der
Verteidigung der Menschenrechte bzw. der Unterstützung demokratischer
Bestrebungen in der Peripherie um dem Ausbrechen von Revolutionen
vorzubeugen, die eine direkte Intervention und einen größeren
Kraftakt notwendig machen würden.10 In den 90er Jahren wurden
die sogenannten "humanitären Krieg" zum Hauptvorwand für
die zunehmend imperialistischen Interventionen wie z.B. im Kosovo
Krieg.
- Die Wende
der amerikanischen Außenpolitik von der Strategie der Eindämmung
hin zur Detente11 gegenüber der ex UDSSR, gleichzeitig mit
der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu China um Moskau in
seinen Schranken zu halten, erlaubten den USA Verhandlungen mit
dem Kreml zu beginnen um einige Zugeständnisse im atomaren
Bereich und in den "heißen" Zonen zu erlangen in denen die
sowjetische Bürokratie immer noch Einfluss hatte. Später,
in den 80er Jahren, nutzte Reagan den Rüstungswettlauf und
das aggressive Schwenken mit der Menschenrechtsfahne als Grundlage
für seine Außenpolitik und als Waffe um die Kapitulation
Gorbatchevs vor seinem imperialistischen Plan zu erzwingen.
- Die ad hoc
Schöpfung einiger Organisationen, wie der "trilateralen"
oder der G7, ermöglichten den USA den Aufstieg konkurrierender
imperialistischer Staaten auszuhandeln bzw. zu bremsen und wirtschaftliche
Vorteile zu erlangen bzw. Koordinationsabkommen abzuschließen,
wie z.B. das Abkommen von Plaza von 1985, welches eine starke
Entwertung des Dollars möglich machte, um der sich zuspitzenden
Flaute der amerikanischen Produktion und Wirtschaft zu begegnen.
All dies im Rahmen der durch die, wenn auch geschwächte,
Existenz der UDSSR bis 1991 gegebene Kontinuität der politischen
und ideologischen Einheit der kapitalistischen Mächte.
Alle diese
Veränderungen führten zu einer relativen Wiederherstellung
der amerikanischen Hegemoniestellung, im Vergleich zur den stürmischen
70er Jahren. Dies war nur deshalb möglich weil die Arbeiter-
und Massenbewegungen `68/`81 in den zentralen Ländern in
andere Bahnen gelenkt und in der Peripherie blutig niedergeschlagen
wurden.
- Die neoliberale
Offensive
Auf dieser
Verschiebung des Kräfteverhältnisses zuungunsten der
Massenbewegung baute der neoliberale Angriff Anfang der 80er Jahre
auf. Dieser machte eine Wiederherstellung der Kapitalgewinne möglich,
ohne jedoch den Dynamikverlust der Kapitalakkumulation gänzlich
rückgängig zu machen, der die Weltwirtschaft der letzten
30 Jahre geprägt hat .
Dies drückte
sich z. B. in der zunehmenden Finanzierung aus, einem Phänomen
das den Wirtschaftswachstum nicht nur in den 80er Jahren (in denen
die Investitionsrate niedrig blieb), sondern besonders in den
90ern begleitete, in denen der Wirtschaftsboom der USA mit einem
außergewöhnlich Wachstum der Finanzmärkte und
Finanzmechanismen einherging.
In den letzten
Jahrzehnten, gelang es dem Kapital bedeutende Errungenschaften
des Proletariats zunichte zu machen (besonders in den angelsächsischen
Ländern, England und USA) ohne auf direkte konterrevolutionäre
Taktiken zurückgreifen zu müssen wie in den 30er Jahren.
Außerdem war es ihm möglich, neue ausbeuterische Bedingungen
in seiner Beziehung zu der Peripherie durchzusetzen und so den
Spielraum, die die Bourgeoisie in den semikolonialen Ländern
während der 70er Jahre genoss ( diese drückte sich z.B.
in den steigenden Preisen für Rohmaterialien, insbesondere
für Öl, aus), deutlich einzuschränken.
In den semikolonialen
Ländern verdoppelte sich die imperialistische Unterdrückung
durch die doppelte Last der kostspieligen Rückzahlung der
Auslandsverschuldung und die Verschlechterung der Handelsbedingungen
für Rohmaterialien, was zu einer Verelendung breiter Zonen
in der Peripherie führte.
In den zentralen
Ländern führte die neoliberale Offensive zu einer wachsenden
Ausbeutung und der Verschlechterung der Lebensbedingungen der
Arbeiter. Der Ford-Pakt, der während des Wirtschaftswachstums
der Nachkriegszeit die Arbeiter an das Kapital gefesselt hatte
wurde endgültig zerbrochen.
Trotzdem gelang
es neuen Strömungen verbunden mit dem Aufstieg des kollektiven
Investitionsfonds und der Entstehung einer "Investitionskultur",
in großen Teilen der Mittelschichten und der oberen Arbeiterschichten
die Ansicht zu verbreiten, dass es eine Verbindung zwischen deren
Interessen und denen des Finanzkapitals gäbe. Dies unterstütze
die Konsolidierung der Vormachtstellung des "Neoliberalismus"12.
Der sogenannte "Konsens von Washington" drückte die Ausweitung
dieser Hegemoniestellung auf die Länder der Peripherie aus.
In diesem Fall jedoch blieben deren Auswirkungen auf die Elite
und die oberen Schichten der vermögenden Klassen beschränkt,
im Gegensatz zu den imperialistischen Ländern, in denen die
neoliberalen Ideen eine viel breitere gesellschaftliche Akzeptanz
genossen. Diese Politik wurde nach `89 durch die kapitalistische
Restauration in der UDSSR und in Osteuropa weiter verschärft,
als Nebeneffekt der Niederschlagung antistalinistischer, revolutionärer
Prozesse, besonders in China nach dem Massaker auf dem Platz des
Himmlischen Friedens.
- Das fragile
Gleichgewicht in den 90er Jahren
Auf dem oben
erläuterten Fundament war das instabile Gleichgewicht der
90er Jahre aufgebaut. In dieser Periode erstarkten die USA im
Vergleich zu ihren Konkurrenten ganz erheblich, was ihnen ermöglichte
die destabilisierenden Folgen des Zusammenbruchs der Ordnung von
Jalta zu überwinden und zu vermeiden, dass ihre Hegemonie
dadurch ins Wanken gebracht wurde. Gleichzeitig verabschiedeten
sich Japan und die Europäische Union von der internationalen
politischen Bühne. Im Falle Japans wurde dies durch die das
ganze Jahrzehnt anhaltende Stagnation ihrer Wirtschaft bedingt.
Bei der EU lagen die Gründe eher darin, dass die Staaten
sich darauf konzentrierten die aus dem Osten herüberschwappende
Welle der Instabilität einzudämmen (deutsche Wiedervereinigung,
Zusammenbruch der Balkanstaaten, Revolution in Albanien) und ihre
restliche Energie darauf verwandten die widersprüchlichen
Interessen ihrer zukünftigen Mitgliederstaaten unter einen
Hut zu bekommen. Ihrerseits sorgte die Niederlage des Irak Anfang
1991 für das Fortbestehen einer gewissen Stabilität
in der Peripherie, welche in der Entstehung eines ganzen Schwungs
sogenannter "Schwellenmärkte" zum Ausdruck kam.
Allerdings
hatten sich im Laufe der Zeit eine ganze Reihe Widersprüche
und einander entgegengesetzter Interessen angesammelt, die in
den letzten Jahren des vergangenen Jahrhunderts immer offener
zu Tage traten: angefangen mit der Krise in Südostasien und
der dadurch bedingten Krise der sogenannten "Schwellenmärkte";
das Entstehen einer antikapitalistischen Bewegung in den zentralen
Ländern; der Ausbruch der 2. Intifada in Palästina,
der wachsende Antiamerikanismus im mittleren Osten und der Widerstand
gegen die neoliberale Wirtschaftspolitik in Lateinamerika; die
Ablehnung des Kurses der Regierung Bushs durch die anderen Großmächte;
bis hin zur amerikanischen Wirtschaftskrise die die gesamte Weltwirtschaft
mit sich hinabgerissen hat. Der Anschlag vom 11. September wirkte
als Katalysator und Beschleuniger dieser Prozesse und geopolitischen
Spannungen und kündigten das Ende des fragilen Gleichgewichts
des vergangenen Jahrzehnts an.
Strukturelle
Gründe für die Neudefinierung amerikanischer Politik
Im Verlauf
der 90er Jahre konnte das Kapital seinen Einfluss (geografisch)
auch auf solche Gebiete ausdehnen, zu denen ihm der Zugang bis
dato verwehrt geblieben war. Gleichzeitig erweiterten die USA
ihren militärischen Spielraum und setzten, angesichts des
Zusammenbruchs der UDSSR immer mehr Vertrauen in den Einsatz militärischer
Gewalt. Dies führte zu einer ganzen Reihe von Konflikten,
die, unterschwellig vorhanden während des gesamten Jahrzehnts,
gegen Ende desselben mit Macht an die Oberfläche drängten;
z.B. der wachsende Einfluss der Peripherie auf die zentralen Länder,
oder die wachsende interimperialistische Rivalität, wie sie
nach dem Attentat vom 11.September und der amerikanischen Antwort
darauf, zu Tage getreten ist. In Verbindung mit der weltweiten
Wirtschaftskrise führte dies zu einem Verlust der Vormachtstellung
des Finanzkapitals innerhalb der USA und zu einer Infragestellung
des neoliberalen Modells an sich auf weltpolitischer Ebene.
- Der Verlust
der Vormachtstellung des Finanzkapitals und des angelsächsischen
Modells
Die beispiellosen
Aktienverluste und die korporativen Skandale (s. Enron und World
Com) haben dem Aufstieg des Finanzkapitals seit Beginn der neoliberalen
Offensive Anfang der 80er Jahre erst mal Einhalt geboten. Dieser
erreichte seinen Höhepunkt mit der spekulativen Seifenblase
Ende des letzten Jahrzehnts.
Der massive
Vertrauensverlust in das angelsächsische Modell, als Vorbild
für die Organisation von Geschäften und Unternehmen,
nicht nur der Massen sondern auch der Eliten einiger Länder,
wirkt dem "Triumphalismus" nach dem Zusammenbruch des Kommunismus
entgegen. Dieser war die ideologische Basis für den amerikanischen
Wachstum und die Ausbreitung des Kapitals (sog. Globalisierung)
während der letzten Dekade.
In den USA
droht der Zorn großer Teile der Bevölkerung auf die
Manager der großen Firmen und der Hauptfinanzinstitutionen
(Buchprüferfirmen, Investitionsbanken und Investmentberaterfirmen),
die sich auf Kosten der Arbeiter ihrer eigenen Firmen und sogar
ihrer Aktionäre bereichert haben, die Regeln des kapitalistischen
Systems an sich in Frage zu stellen, wenn er nicht in andere Kanäle
umgeleitet wird.13 Der Verlust der Hegemoniestellung des Finanzkapitals,
dass durch tausend und eine Verbindung mit dem politischen System
der Vereinigten Staaten verbunden ist, bringt die soziale Basis
des Letzteren in Verruf, was dazu führen könnte das
neue politische Phänomene auf der Bildfläche erscheinen.
Bush versucht mit dem "Krieg gegen den Terrorismus" die Folgen
dieser Zersetzung des sozialen und politischen Systems der USA
auf einen externen Feind abwälzen, indem er geschickt die
Erschütterung ausnutzt die der 11. September ausgelöst
hat.
- Die Zunahme
der interimperialistischen Rivalität, besonders zwischen
USA und Europa
Mit dem Zusammenbruch
der Sowjetunion verloren all jene Gründe ihre Gültigkeit,
die dafür gesorgt hatten, dass der Rest der imperialistischen
Mächte sich der, von den USA dominierten, Weltordnung fügte.
Diese Einheitsfront wurde allein durch das gemeinsame Interesse
des Kampfes gegen die kommunistische Bedrohung zusammengehalten.
Nachdem diese nicht mehr existierte, war die amerikanische Hegemonialposition
nicht länger eine notwendige Bedingung für den Erhalt
des Status Quo. Nachdem die in Jalta etablierte Ordnung aufgehoben
worden war, nahmen die Konkurrenz und der Zwist zwischen den einzelnen
imperialistischen Mächten ein, noch vor wenigen Jahrzehnten
unvorstellbares, Ausmaß an Unabhängigkeit und Schärfe
an. Das bisher krasseste Anzeichen dafür, ist die wachsende
Rivalität zwischen Europa und den USA die sich angesichts
des drohenden US-Angriffs auf den Irak noch zugespitzt hat.
Wie die Stratfor
Agentur formuliert: "Das ultimative Ziel Europas ist es, sich
in eine Supermacht zu verwandeln, ein Ziel das ebenso natürlich
ist, wie der Versuch der USA, das Entstehen irgendeiner anderen
Supermacht zu verhindern. Die diplomatischen Details beiseite
gelassen, hat dieser Konflikt die Beziehungen zwischen den USA
und Europa seit dem Ende des kalten Krieges bestimmt. Dieser Konflikt
ist langwierig und eher strategischer Natur und es nicht zu erwarten,
dass er zu einem militärischen Konflikt eskaliert, sondern
wird wohl eher auf diplomatischer und ökonomischer Ebene
ausgefochten werden. Die Waffen Europas umfassen den Einigungsprozess,
die Wirtschaft, die Stärke des Euro gegenüber dem Dollar
und den politischen Einfluss in den Entwicklungsländern.
Außerdem umfassen sie die Konkurrenz mit den USA um die
ausländischen Märkte, die Gewandtheit eine Brücke
über die immer größer werdende Kluft zwischen
den Industriestaaten und den Entwicklungsländern zu spannen
und die Kapazität dem Einhalt zu gebieten, was die Europäer
oft als aggressiven militärischen Instinkt der USA ansehen.
Der europäische Widerstand gegen die den Irak betreffenden
Pläne Washingtons muss im Kontext dieses Wettstreits um Einflusssphären
betrachtet werden." (Stratfor, 04/12/02).
- Die Instabilität
in der Peripherie und ihr Einfluss auf das Zentrum
Die wachsende
Internationalisierung der Wirtschaft, die verheerenden Folgen
der neoliberalen Offensive, der Zerfall der ex UDSSR in Teilstaaten
und die Vernichtung der stalinistischen Bürokratie als Garant
der imperialistischen Weltordnung, haben die althergebrachten
Beziehungen zwischen Zentrum und Peripherie verändert und
die Anfälligkeit der imperialistischen Mächte gegenüber
der zunehmenden Instabilität der "heißen Zonen" der
Peripherie gesteigert. Die massive Zuwanderung aus ökonomischen
Gründen; die größte Anzahl von Flüchtlingen
seit dem Ende des zweiten Weltkriegs, als Resultat unzähliger
nationaler, ethnischer, stammesbedingter Konflikte und Bürgerkriege
sowohl in der ehemaligen sowjetischen Einflusszone (Bosnien, Kosovo,
Tschetschenien, Kaukasus) als auch im Herzen Afrikas (Ruanda)
und in anderen Regionen; die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen,
einhergehend mit der Aufhebung des Monopols der Großmächte
auf dieselben; das Ausbreitung des Terrorismus dessen Einsatzkommandos
nicht nur Lokal sondern auch international agieren; die wachsenden
politischen Spannungen und Auseinandersetzungen in wichtigen Schlüsselgebieten
der Peripherie, wie den Ölregionen Venezuela und Mittlerer
Osten; sind nur Anzeichen für die unzähligen Probleme
mit denen in unterschiedlichem Ausmaß und Gefährdungspotential
die Wirtschaft und sogar die innere Sicherheit in den zentralen
Ländern konfrontiert werden.
Diese zunehmende
Unruhe in der Peripherie ist was schließlich die USA und
andere imperialistische Mächte in zunehmendem Maße
veranlasst militär-politisch zu intervenieren. Das ist was
ein Experte in der letzten Ausgabe der Foreign Affairs (des wichtigsten
(Aussen)Politmagazins des amerikanischen Establishments) über
den Mittleren Osten verkündete: "Es ist grausam und ungerecht
aber wahr: der Kampf zwischen regierenden und aufständischen
Arabern ist heute eine der Hauptsorgen der USA. Zwischen 1970
und 1980 fing das politische und ökonomische Gerüst
der arabischen Welt an zu bröckeln. Das explosive Bevölkerungswachstum
übertraf alles, was nach der Unabhängigkeit geschaffen
worden war und danach fegte ein entfesselter Islamismus wie ein
Wirbelsturm über die arabische Welt hinweg. Er versprach
Erholung, verführte die Jugendlichen und predigte die Mittel
und die Sprache der Ablehnung und des Hasses. Einige Zeit schienen
diese Zerwürfnisse auf die arabischen Territorien beschränkt,
aber dann änderte die Migration und der transnationale Terror
dies grundlegend. Der Brand der in den arabischen Ländern
ausgebrochen war, verbreitete sich über andere Gebiete und
machte die USA zum Hauptangriffsziel eines gedemütigten Volkes,
das den Glauben daran verloren hatte, dass seine eigenen Führer
ihm zu Gerechtigkeit in seinem eigenem Land verhelfen könne.
Der 11. September und die niederschmetternde Überraschung
die er darstellte waren das Zünglein an der Waage, dass den
Ausschlag zu einer Kehrtwende in der Irakpolitik, von einer Strategie
der Eindämmung hin zur Herbeiführung eines Regierungswechsels,
gab...."
Dies sind die
Motive für ein direkteres imperialistisches Herrschaftsgebaren,
dessen deutlichster Ausdruck die geplante Irak Offensive ist.
Diese ist nur Teil des Plans der USA, eine politische Neuordnung
im Mittleren Osten durchzusetzen, welcher sich auf die politische
und militärische Kontrolle in diesem Schlüsselland stützt.
Ein militärischer Triumph im Irak würde den USA einen
enormen Einfluss in dieser strategisch wichtigen Region bescheren.
Dies wiederum würde ihren Verbündeten, den zionistischen
Staat Israel stärken und zu einem noch reaktionäreren
Vorgehen gegen die palästinensischen Massen führen.
Außerdem würde dies die Macht der arabischen Bourgeoisie
die Ölpreise zu manipulieren, stark einschränken, die
eine der Hauptgrundlagen für viele Regime der Region bildet.
Eine imperialistische Offensive dieses Charakters und Ausmaßes
würde einen radikale Änderung in der Art der Machtausübung
der USA über die Peripherie bedeuten. Diese haben im Zuge
ihre Aufstiegs und um die europäischen Mächte aus dem
Weg zu schaffen, das alte Kolonialsystem durch sogenannte "Trabanten"
Staaten und semikoloniale Gebilde ersetzt, d.h. Länder die
formal unabhängig sind jedoch durch immer stärkere wirtschaftliche,
politische und militärische Fesseln an den Imperialismus
gebunden sind. Das jetzige Umschwenken lässt zwar eine Rückkehr
zum alten kolonialen System, wie sie die Organe der extremen konservativen
Rechten fordern und den Einsatz einer "MacArthur" Regierung im
Irak außer Betracht, impliziert aber eine Art der Herrschaft,
die durch eine starke militärische Präsenz der USA gestützt
wird.
Der Versuch
die Welt neu zu ordnen: taktische Stärke und strategische
Schwäche
Bush versucht
mit seiner Politik eine interne, reaktionäre soziale Basis
hinter einer aggressiven und kriegerischen Außenpolitik
gegenüber der Peripherie zu vereinen. Diese trägt zwar
deutlich neokoloniale Züge, besonders in wichtigen Gebieten
wie z. B. dem Mittleren Osten und scheint unilateral angehaucht,
ohne sich jedoch gänzlich von dem Deckmantel der Multilateralität
loszusagen, da dieser viele strategische geopolitische Vorteile
im Disput mit den konkurrierenden imperialistischen Mächten
birgt.
Das erste Beispiel
für diesen neuen politischen Kurs war der Afghanistan Krieg,
der ohne Zustimmung der UNO geführt wurde und in dem, im
Gegensatz zum Kosovo Krieg, die anderen NATO Mächte nur eine
sekundäre Rolle spielten. Ein anderes Anzeichen ist die Ausbreitung
des amerikanischen Militärapparats, bedingt durch die Gründung
sechs weiterer Stützpunkte in den zentralasiatischen Staaten
und sein Drängen Richtung Kaukasus, einer ehemalig sowjetischen
Einflusssphäre. Endlich ist der Vorschlag Bushs einen Regierungswechsel
in Bagdad herbeizuführen das bisher offensivste Ziel.
Die neue "Bush
Doktrin" stilisiert diesen militärischen und aggressiven
Kurs zu einer Art neuer nationaler Sicherheitsstrategie. Diese
bedeutet das Ende der militärischen Entspannung die die Ära
nach dem Ende des kalten Krieges dominiert hatte. Offiziell signalisiert
sie die Wende der USA hin zu einer militärischen Präventionspolitik,
deren Hauptbestandteile sich wie folgt zusammenfassen lassen:
die militärische Macht der USA muss stark genug sein um ihre
Gegner davon abzuhalten die militärische Vormachtstellung
Amerikas herauszufordern. Den USA steht es frei nach Belieben
Präventivschläge gegen von ihnen als feindlich betrachtete
Staaten durchzuführen. Die USA müssen ihre nukleare
Überlegenheit wahren, um die Verbreitung von Atomwaffen aufzuhalten,
da diese ein viel effektiveres Mittel als etwaige Abrüstungsverträge
sind.
Zusammengefasst:
Wenn die USA in den letzten dreißig Jahren ihre Vormachtstellung
benutzt haben um sich ökonomische und kommerzielle Vorteile
zu verschaffen, so versuchen sie heutzutage diese Position auf
die geopolitische Ebene auszudehnen. Diese neue Politik der USA,
exklusiv und ausschließlich nur ihr nationales Interesse
zu verfolgen und in der Beibehaltung ihrer Vormachtstellung ein
reines Instrument zur Erlangung strategischer Vorteile zu sehen,
ist der Hauptgrund für die derzeitigen internationalen Spannungen.
Dank unangefochtenen militärischen Überlegenheit, sind
die USA dabei eine neue Ära des imperialistischen Abenteurertums
zu betreten.
Theoretisch,
falls erfolgreich, könnte dieses Verhalten der USA ihnen
einen direkten momentanen Vorteil einbringen, jedoch auf Kosten
der Stabilität ihrer strategischen Position, auch wenn dies
ganz und gar nicht in ihrer Absicht liegt. Eine dauerhaft unilaterale
Politik würde die Fundamente der Institutionen unterhöhlen,
die seit Ende des Zweiten Weltkriegs die Weltordnung garantieren.
Gleichzeitig wird die längerfristige Missachtung der Visionen
und Interessen der anderen Mächte das Vertrauen dieser in
die USA in Feindschaft verwandeln. Die zunehmenden Schwierigkeiten
der Konsensbildung in der UNO, welche drohen diese in einen neuen
Staatenverbund zu verwandeln, das Fortbestehen der NATO auf einer
Seite als Pfeiler des Transatlantischen Bündnisses, die Weigerung
der USA irgendeine internationalen Vertrag anzuerkennen der eine
Einschränkung ihrer absoluten Souveränität bedeuten
würde und der verstärkte Einsatz von Präventivkriegen
könnten zu einem fürchterlichen Durcheinander in den
Beziehungen zwischen den Staaten führen. Zum Beispiel hat
die unilaterale Propaganda der USA hohe russische Staatsmänner,
wie den Minister für atomare Energie, dazu verführt,
zu drohen: "Tschetschenien von der Landkarte zu löschen falls
die Tschetschenen auf nukleare Erpressung zurückgreifen würden."
Der australische Ministerpräsident John Howard hat seinerseits
geäußert präventive Militäraktionen gegen
terroristische Gruppen in anderen Ländern der Region durchführen
zu wollen. Dies führte zu einem Sturm der Entrüstung
in den anderen südostasiatischen Ländern und wird, falls
es umgesetzt wird, als ein "Kriegsakt" betrachtet werden, wie
Mahatir, Präsident von Malaisia versicherte.
Zu Ende gesponnen,
könnte die amerikanische Unilateralität die Reibungen
zwischen den Mächten verstärken und so die anderen Mächte
dazu bringen, sich gegen sie zu verbünden, weil sie in den
USA nicht länger den Garant für die Weltordnung sondern
eher eine Bedrohung für dieselbe sehen. Wie Stratfor formuliert:
"Auch die Zukunft der Beziehungen zwischen Europa und den USA
steht auf dem Spiel. In den 90er Jahren hat Europa aufgehört
sich selbst als "Juniorpartner" der USA zu betrachten und so entstand
ein Hybrid - Konstrukt zwischen Rivalen und Verbündeten.
Der Konflikt über den Irakkrieg könnte eine neue Runde
in dieser Entwicklung einläuten: Wenn Washington einseitig
Maßnahmen gegen Bagdad ergreift, könnte sich beide
Seiten in offene Rivalen verwandeln." (Stratfor, 04/12/02). Letztendlich
könnte also die Unilateralität den Interessen der USA
auf die Dauer schaden und den Streit um die Vorherrschaft in der
Welt beschleunigen.
Interimperialistische
Spaltungen und der Klassenkampf
Für den
Marxismus ist der Level der interimperialistischen Streitigkeiten
von großer Bedeutung um festzustellen wie das Verhältnis
zwischen den Klassen auf internationaler Ebene ist. In den letzten
Jahrzehnten bildeten die wichtigsten Mächte, trotz aller
wirtschaftlichen und Kommerziellen Streitereien, eine Einheit
auf politischem und geopolitischem Gebiet, trotz einiger scharfer
Reibereien wie z. B. während des Balkankriegs. Dies war ein
wichtiger Faktor, der zusammen mit der Niederlage und Aufweichung
der Massenbewegung in den 70er Jahren für eine Ausweitung
der kapitalistischen Offensive und der Konsolidierung eines für
die Massen ungünstigen Kräfteverhältnisses gesorgt
hat.
Nirgends ist
dies deutlicher zum Ausdruck gekommen als in der Peripherie, wo
trotz bedeutender Streitigkeiten im monetären und Kapitalmarktbereich,
sich die Hauptmächte die Ausplünderung der semikolonialen
Welt geteilt haben. Dies zeigte sich auch in der Unterstützung
für die Pläne IWF und in dem Umgang der verschiedenen
imperialistischen Mächte mit China.
Die Tiefe der
Wirtschaftskrise und der erneute Versuch der USA die Welt nach
ihren Vorstellungen umzugestalten und dabei geopolitische Vorteile
zu erhalten, könnten die Beziehungen der verschiedenen imperialistischen
Staaten untereinander qualitativ verschlechtern. Diese Möglichkeit
ist ein integraler Bestandteil bei der Beantwortung der Frage
nach der Möglichkeit einer Veränderung des Kräfteverhältnisses
zwischen den Klassen. Die Verschärfung der interimperialistischen
Konflikte, nicht nur auf ökonomischer, sondern viel eher
auf politischer und geopolitischer Ebene, könnte kleinere
Breschen in den kapitalistischen Führungssektoren schlagen
die zum Entstehen "schwacher Glieder" innerhalb des imperialistischen
Systems führen könnten. Diese, wenn sie durch die Bewegung
der Arbeiter und der Massen geschickt genutzt werden, würden
die gesamte imperialistische Ordnung schwächen.
Die jetzige
Politik Washingtons hat bereits zu einer signifikanten Verschlechterung
der Position Washingtons in seinem "Hinterhof" Lateinamerika geführt,
zumindest verglichen mit den Fortschritten die die USA dort in
der ersten Hälfte der 90er Jahre gemacht hatten. Dies zeigt
sich in der zunehmenden politischen und sozialen Agitation, welche
die ganze Region erschüttert; angefangen bei den "revolutionären
Tagen" (Jornadas Revolucionarias) in Argentinien, den Wahlsieg
eines Phänomens wie Lula in Brasilien, andere reformistische
Varianten in verschiedenen Ländern des Kontinents und die
Zuspitzung des Konflikts zwischen Revolution und Konterrevolution
in Venezuela. Dort mussten die USA aufgrund ihrer Irak Fokussierung
(Versuch eine Legitimation für einen Krieg gegen diesen zu
erhalten) darauf verzichten aktiv einzugreifen und einen neuerlichen
Putsch offen zu unterstützen, da ihre Verbündeten ein
solches Verhalten massiv hinterfragen würden. Dies ist einer
der Gründe dafür, dass es Chávez gelang sich
an der Regierung zu halten obwohl die vitale Ölindustrie
praktisch lahmgelegt war.
Auf superstruktureller
Ebene haben in zwei Schlüsselländern, Deutschland und
Südkorea, in denen immer noch eine starke amerikanische Militärpräsenz
herrscht, bei den letzten Wahlen Kandidaten gewonnen, die als
weniger auf der Linie der USA stehend eingeschätzt werden.
In Deutschland gewann der Kandidat der Sozialdemokraten der nach
den Umfragen weit zurücklag, nachdem er im Wahlkampf den
Krieg gegen den Irak abgelehnt hatte. In Südkorea siegte
der Kandidat der eine natürliche Liaisons mit den USA in
Frage stellte und statt dessen für einen politischen Dialog
mit Nordkorea warb. Das wichtigste daran ist, dass das genau zu
einem Zeitpunkt geschah, indem Nordkorea, der asiatische Flügel
der Achse des Bösen, eine Atomkrise entfesselt hatte, um
die USA zu Verhandlungen zu zwingen, wissend, dass diese sich
nicht auf einen Zwei - Fronten Krieg einlassen können.
Dies sind keine
unwichtigen Umstände. Südkorea und Deutschland waren
zwei der Säulen der amerikanischen Weltordnung nach dem II.
Weltkrieg, eine auf dem europäischen und die andere zusammen
mit Japan auf dem asiatischen Kontinent. Wenn sich diese Fälle
vermehren, stehen die USA am Ende alleine da. Ihr aktueller neoimperialistischer
Kurswechsel, weit entfernt davon eine neue Ära der amerikanischen
Hypermacht einzuleiten, kündigt vielleicht schon die ersten
Anzeichen vom Zerfall ihrer imperialistischen Herrschaft an.
Die
Irak Probe
Im Irak konzentriert
sich die Gesamtheit aller Herausforderungen, denen sich die amerikanische
Macht seit den Attentaten vom 11. September gegenübersieht.
Nicht nur in Bezug auf die Massen, sowohl in den zentralen Ländern
als auch in der Peripherie, sondern auch bezüglich des Verhältnisses
der USA zur Vasallenbourgeoisie der semikolonialen Länder
und zu den anderen Großmächten. Außer in den
USA, wo die letzten Wahlen gezeigt haben, dass Bush großen
Rückhalt im Volk hat, lehnt im Rest der Welt die Mehrheit
der Bevölkerung einen Krieg gegen den Irak ab, besonders
in Europa, wie die Massendemonstrationen sowohl in Florenz als
auch in London gezeigt haben. In den Ländern der Peripherie
wird der Krieg, trotz der geringen Sympathien die Hussein erweckt,
eindeutig als imperialistischer Akt gesehen, der nur darauf abzielt
sich eines der wichtigsten Öl Reservoirs unter den Nagel
zu reißen. Diese Einschätzung, zusammengenommen mit
der amerikanischen Unterstützung Israels gegen die Intifada
und der generellen Feindseligkeit der USA gegen die gesamte moslemische
Welt, hat dazu geführt, dass der Antiamerikanismus dabei
ist Rekordhöhen zu erreichen. Anthony Zinni, ehemaliger Leiter
des Zentral Kommandos der USA und einer der ersten die Bush als
Vermittler in den Mittleren Osten geschickt hat, äußerte
neulich: "Ich wundere mich über die Leute die behaupten es
gäbe keine "arabische Straße", dass diese nicht reagieren
würde...die Situation ist explosiv...es ist die schlimmste
die ich in den zwölf Jahren meiner Arbeit hier erlebt habe"
(Financial Times, 19/11/02)
Der Irak Konflikt
an sich hat sich in die passende Kulisse für die Streitigkeiten
zwischen "Unilateralisten" und "Multilateralisten" bezüglich
der Weltordnung verwandelt. Wenn es Washington nicht gelingt die
Zustimmung der UNO zu erlangen, treibt dies die Kosten und Risiken
für den Krieg gewaltig in die Höhe und könnte die
reelle Wahrscheinlichkeit desselben ernsthaft in Frage stellen.
Wie es die oben zitierte Agentur formuliert: "Selbst wenn Washington
mehrfach angekündigt hat auch unilateral gegen den Irak vorzugehen
wenn das nötig sei, ist es ungleich einfacher dies zu sagen
als es wirklich durchzuführen, selbst für die einzige
Supermacht auf der Welt. Europa hat die erste Runde gewonnen als
die USA zustimmten eine Lösung im Sicherheitsrat der UNO
zu suchen, auch wenn sie sich die Möglichkeit einer unilateralen
Lösung weiterhin offengehalten haben, ist diese jetzt die
schwierigere Option. Eine Aktion ohne die Unterstützung der
UNO zu starten, würde die USA international isolieren. Obwohl
die Falken in der US Regierung bereit sind dieses Risiko einzugehen,
sind es die Tauben, wie z.B. der Außenminister Colin Powell
und wahrscheinlich der Kreis der Berater von Bush Vater, nicht
- man muss abwarten wer sich am Ende durchsetzt. Auf jeden Fall
macht Europa den USA die Entscheidung diesen Krieg zu beginnen
extrem schwer. Das Schicksal des Irak entscheidet sich in der
diplomatischen Schlacht zwischen Europa und Washington."
In dieser Situation
ist das Beste was den USA passieren kann, dass sich ihre westlichen
Alliierten, auch wenn sie ihnen nur geringe bis gar keinen Unterstützung
leisten, dennoch den amerikanischen Plänen nicht rigoros
widersetzen.
Seit dem Afghanistan
Krieg haben die USA eine eher kriegerische Rhetorik geschwungen
während ihr Handeln eher von Vorsicht geleitet war. Obwohl
es keine Zweifel daran gibt, dass ihr nächstes Ziel Irak
ist, ist die Diskussion über das wann und wie noch nicht
abgeschlossen. Seit Mitte 2002 scheint die Fraktion Powell den
Kampf gewonnen zu haben, nicht über den Krieg im Irak wohl
aber für eine längerfristige und vorsichtigere Strategie.
Während sich das langwierige Spiel des Kräftesammelns
abspielt, hat der enge Fokus der amerikanischen Außenpolitik
auf die Irak - Krise dazu geführt, dass zwei internationale
Krisen ins Rollen kamen: die in Nord Korea und die in Venezuela.
Diese Situation zwingt die USA zum Handeln. Wenn nicht könnte
ihr Nichteingreifen als fehlende Autorität interpretiert
werden, nicht nur im Mittleren Osten sondern auf globaler Ebene.
Abgesehen von
der Art und Weise wie eine wahrscheinliche Intervention im Irak
durchgeführt werden würde, ist der entscheidende Punkt,
dass das Ziel Washingtons einen Regimewechsel in Bagdad herbeizuführen,
die imperialistischen Kapazitäten und Ambitionen der USA
auf den Prüfstein legen wird.
Seit der Niederlage
in Vietnam und trotz der Vorteile die ihnen die Revolution in
der Waffentechnik in den letzten Jahren eingebracht hat, wurde
ihre Entschlossenheit bisher nur in eingeschränkten und kurzfristigen
Aktionen getestet. Die Eroberung und Umgestaltung des Irak ist
ein tiefgreifenderer Test. Er wird Antwort auf die Frage geben,
inwieweit der seit dem 11.09. generierte Patriotismus es den USA
erlaubt hat, das Vietnam Syndrom zu überwinden. Man darf
nicht vergessen, dass trotz aller jetzigen militärischen
und kriegerischen Großtuerei, es noch nicht lange her ist,
dass der Ex Berater des Präsidenten Carter für die nationale
Sicherheit, Zbigniew Brzezinski, gesagt hat, dass: "es immer schwieriger
wird den nötigen Konsens für eine, manchmal teure, Führungspolitik
der USA im Ausland herzustellen. Die Massenmedien haben eine besonders
wichtige Rolle dabei gespielt, eine starke Ablehnung gegenüber
jeglichen Einsatzes von Gewalt zu schaffen, bei dem die Möglichkeit
besteht dass es Opfer gibt, selbst wenn diese nur sehr wenige
sind." ("El gran tablero mundial", 1997)
In diesem Rahmen,
muss man den autoritären Umschwung der Regierung im Inneren,
welcher mit dem militärischen Kurs der Außenpolitik
einherging, als ein Anzeichen für die Grenzen deuten, die
der kriegerischen Offensive selbst im Lager imperialistischen
Macht gesetzt sind.
Die USA sind
an einem Scheideweg angelangt: entweder eine Reihe von reaktionären
Putschen in Gang bringen, die es ihnen erlauben die Angriffe auf
ihre Vormachtstellung, die kraftlosen Basen ihrer Wirtschaft und
den Dollar als internationales Zahlungsmittel abzuwehren, oder
die Tendenz hin zur Zerstörung des kapitalistischen Gleichgewichts
wird sich mehr und mehr durchsetzen und den Niedergang der USA
beschleunigen. Dies würde im Gegenzug eine Verschiebung des
Kräfteverhältnisses zugunsten der Massenbewegungen ermöglichen.
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1 Während
dieser Zeit, waren die USA verantwortlich für einen Anstieg
des Welt-Bruttosozialprodukts um 40% gemessen bei einer Parität
der Währung, während die US Wirtschaft nur für
25% desselben verantwortlich zeichnete
2 Die Folgen einer Deflation für die Kapitalakkumulation
können unter anderem folgende sein: a)Die Aussichten auf
Preissenkung führen dazu, dass Käufe aufgeschoben werden,
was zu einer Deflationsspirale führt; b) die zunehmenden
Pleiten bringen die Banken in Schwierigkeiten und führen
dazu dass diese weniger willig Kredite geben; c) der Preisverfall
bedeutet reell gesehen höhere Zinsraten, auch wenn diese
auf null gesetzt werden; d) der Sturz der Preise erhöht die
reale Bürde/Last der Schulden.
3 Das Bretton Woods Abkommen, unterzeichnet im Juli 1944, schuf
ein System des festgelegten Wechselkurses, nach dem es eine freie
Einwechselung von Dollar in Gold gab. Am 15. August 1971, löste
der Präsident der Vereinigten Staaten, Richard Nixon, dieses
System auf.
4 Ab 1960, ist das Geldangebot der Vereinigten Staaten um das
25fache gestiegen während das Bruttorealprodukt nur um das
vierfache gewachsen ist. Dies wurde begleitet von sinkenden Voraussetzungen
für Kredite. Die Banken wurden durch eine Serie von Maßnahmen
zur Verringerung der erforderlichen Mindest - Eigenreserven ,von
der Nationalbank dazu ermutigt, mehr Kredite auszugeben.
5 Wir beziehen uns auf den Preisindex vom September und die nationalen
Einkommensdaten des dritten Trimesters .
6 "Time for a Switch to Global Reflation" Financial Times,01/12/02
7 "World's Largest Debtor (U.S.) Pledges to Pay you Back in Cheaper
Dollars", 27/11/02
8 "Das weitläufige und ausgedehnte Netz von semipermanenten
Militärstützpunkten im Ausland, dass die USA im Zeitalter
des Kalten Krieges unterhalten haben ... ist bisher einzigartig
in der Geschichte; kein anderer Staat hat jemals zuvor seine Truppen
in Friedenszeiten solange und in dieser Stärke auf dem Territorium
anderer souveräner Staaten stehen gehabt." (Giovanni Arrighi,
La Globalización, la soberanía estatal y la interminabile
acumulación del capital).
9 Die Folgen für die Weltordnung beschreibt Robert Brenner
sehr treffend: "Nachdem der wirtschaftliche Erfolg der USA so
eng mit dem seiner Aliierten und Rivalen verknüpft war, konnte
sich die internationale wirtschaftliche Entwicklung der Nachkriegszeit
in den entwickelten kapitalistischen Ländern, kurze Zeit,
in einem hohen Grad an Kooperation äußern- geprägt
von einem hohen Level politischer und wirtschaftlicher Unterstützung
ihrer Aliierten und Konkurrenten durch die USA-, trotz der Vorherrschaft
des amerikanischen Staates und obwohl sie hauptsächlich auf
US amerikanische Interessen ausgerichtet war. Die Regierung der
USA und mit ihr die wichtigsten Kapitalisten, waren gewillt ein
hohes Maß an staatlicher Einmischung, Handelsprotektionismus,
unterbewertete Austauschquoten und finanzielle Fesseln ihrer Rivalen
zu tolerieren, weil sie selbst ein vitales Interesse an der nationalen
wirtschaftlichen Entwicklung ihrer Rivalen hatten - besonders
am Wachstum deren einheimischer Märkte - und an deren politischen
Stabilität. Daher konnte man, wenigstens einige Zeit lang,
eine, wenn auch stark konfliktive und instabile, Symbiose beobachten
zwischen Anführer und Gefolge, den früh und den spät
Entwickelten, der Hegemonialmacht und den Hegemonisierten." (Robert
Brenner, The boom and the bubble).
10 Diese Politik haben wir "demokratische Konterrevolution" genannt.
Siehe Laura Lif und Juan Chingo "Transiciones a la democracia.
Un instrumento del imperialismo norteamericano para administrar
el declive de su hegemonía." Estrategia Internacional No
15
11 Entspannung (bes. Politik) franz.
12 Die Umwandlung von Millionen von passiven Sparern in "aktive"
Investoren, durch die Anlegerfonds vergrößern die Zahl
der Unterstützer der neoliberalen Politik und makroökonomischen
Strukturen enorm. Dies schafft ein ungleich stärkeres ideologisches
Rüstzeug für den Finanzmarkt , als es die herkömmlichen
Methoden des freien Marktes alleine könnten. Indem evidente
Vorteile gewährt werden und ein Willen zur Teilhabe, die
für eine wahre hegemoniale Ordnung unerlä(lich sind,
und indem eine Depolitisierung und Naturalisierung dieser Prozesse
angestrebt wird, kann die neue Investitionskultur dazu dienen,
den Neoliberalismus auf die Basis eines breiten Konsenses zu stellen.
13 Der immer habgierigere Charakter der herrschenden Klasse in
den USA, ausgedrückt durch das Gewicht, das die parasitärsten
und spekulativsten Korporationen und Sektoren des Finanzkapitals
haben und dem weitverbreiteten Einsatz krimineller Geschäftspraktiken,
wird von Tag zu Tag offensichtlicher. Die Financial Times hat
gezeigt: "Die Exekutiven und die Geschäftsleitungen der 25
größten privaten Unternehmen, die seit Januar 2001
Bankrott gemacht haben, haben $3.300.000.000 in die eigene Taschen
gewirtschaftet." Diese enorme Reichtums - Umverteilung zuungunsten
der Arbeiter und Aktionäre hat einen Analytiker dazu veranlasst
zu sagen: "1992 besaßen die Topmanager der Unternehmen zwei
Prozent aller Aktien die von amerikanischen Korporationen ausgegeben
wurden; heute gehören ihnen zwölf Prozent! Dies war
der bisher Spektakulärste Akt der Enteignung durch die Enteigner
in der Geschichte des Kapitalismus. Karl Marx wäre beeindruckt
gewesen." (Robert Brenner, "Enron Metatasized: Scandals and The
Economy", Against The Current. September/Oktober 2002).
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