Permanente Revolution oder Stellungskrieg

Die Theorie der Revolution nach Trotzki und nach Gramsci

von Emilio Albamonte und Manolo Romano

‚Man weiß, dass im November 1917, als Lenin und die Mehrheit der Partei sich der Position Trotzkis angenähert hatten und versuchten eine industrielle Regierung in Gang zu bringen als sich nur an der politischen Regierung zu beteiligen, Sinowjew und Kamenew starr auf der traditionellen Position der Partei beharrten und sich für eine revolutionäre Koalitionsregierung einsetzten, sie deswegen aus dem Zentralkomitee ausschieden und kurz davor waren mit der Partei zu brechen.' Wenn man diese Äußerung Gramscis betrachtet, oder andere die in dieselbe Richtung gehen1, könnte man zu der voreiligen Annahme kommen, dass er was die Diskussion um die Sowjetunion um 1924 herum angeht, eine mit der Theorie der Permanenten Revolution solidarische Position vertreten habe. In Wirklichkeit jedoch treten seine Differenzen mit der Theorie von Trotzki wenn man von dieser Einschätzung der Lage in Russland absieht an einigen Stellen deutlich zu Tage.

„[Der] Politischer Begriff der sogenannten „Permanenten Revolution", vor 1848 als wissenschaftlich ausgearbeiteter Ausdruck der jakobinischen Erfahrungen von 1789 bis zum Thermidor entstanden. Die Formel gehört einer historischen Epoche an, in der die großen politischen Massenparteienund die großen ökonomischen Gewerkschaften noch nicht existierten und die Gesellschaft unter vielen Aspekten sozusagen noch im flüssigen Zustand war: größere Zurückgebliebenheit des Landes und nahezu vollständiges Monopol der politisch-staatlichen Wirksamkeit in wenigen Städten oder gar nur in einer (Paris für Frankreich), relativ wenig entwickelter Staatsapparat und größere Autonomie der Zivilgesellschaft gegenüber der Tätigkeit des Staates, bestimmtes System der militärischen Kräfte und der nationalen Bewaffnung, größere Autonomien der Ökonomien gegenüber den ökonomischen Verhältnissen des Weltmarktes usw. In der Zeit nach 1870 verändern sich mit der europäischen Kolonialexpansion alle diese Elemente, die internen und internationalen Organisationsverhältnisse des Staates werden komplexer und massiver, und achtundvierziger Formel der „permanenten Revolution" wird in der politischen Wissenschaft in der Formle der „zivilen Hegemonie" umgearbeitet und umgehoben. (...) Diese Frage stellt sich für die modernen Staaten, nicht für die zurückgebliebenen Länder und für die Kolonien, wo noch die Formen vorherrschen, die andernorts überwunden und anachronistisch geworden sind."2

Gramsci bezieht sich auf die ersten Versionen der Theorie der ‚Permanenten Revolution' die im Umfeld der russischen und europäischen Revolutionen entstanden sind und nicht auf die endgültige Formulierung der Theorie 1929. Dies erklärt sich dadurch, dass er zu dem Zeitpunkt bereits drei Jahre im Gefängnis saß und ihm der Zugang zu Informationen durch den Stalinismus versperrt wurde, so dass er die endgültige Theorie gar nicht kannte. Ausgerechnet die Theorie der Permanenten Revolution die nach der chinesischen Revolution fertiggestellt wurde, widmete den ‚zurückgebliebenen Ländern und den Kolonien, in denen noch immer Wirtschaftsformen herrschen die allerorts überwunden scheinen und sich in Anachronismen verwandelt haben' besondere Aufmerksamkeit.

Wie dem auch sei, wenn man die Kritik Gramcis auf den Charakter der europäischen Revolution beschränken könnte, ließe sich sagen, dass Trotzki keinen Zweifel an daran lässt, dass sich die Zeiten seit den Lebenszeiten Marx' geändert haben: ‚alle Befreiungsbewegungen der jüngeren Vergangenheit, wie zum Beispiel der holländische Unabhängigkeitskrieg, hatten sowohl einen nationalen als auch einen demokratischen Charakter. Das Erwachen der unterdrückten und zersplitterten Nationen, ihr Kampf für die innere Einigung und die Befreiung vom fremden Joch, ist untrennbar mit dem Kampf für politische Freiheit verbunden. Die französische Nation festigte sich in den Stürmen und Wirren der demokratischen Revolution Ende des XVIII. Jahrhunderts. Die deutsche und die italienische Nation entstanden aus einer Reihe von Kriegen und Revolutionen. Die mächtige Entwicklung der amerikanischen Nation, die ihre Freiheitstaufe durch den Unabhängigkeitskrieg im XVIII. Jahrhundert erhielt, wurde endgültig durch den Sieg des Nordens über den Süden im Bürgerkrieg gesichert. Weder Mussolini noch Hitler haben die Nation erfunden. Der Patriotismus im modernen Sinne -genauer gesagt im bürgerlichen Sinne- ist ein Produkt des XIX.Jahrhunderts. Hitler hat 1914 - 1918 als Gefreite nicht für die Einigung Deutschlands sondern viel mehr im Dienste einer supranationalen Kampagne gekämpft, einem imperialistischen Projekt zur ‚Organisation Europas' unter der Herrschaft des deutschen Militarismus.[...]. Es ist wahr, dass der Krieg, wie alle heftigen geschichtlichen Erdbeben, verschiedene Probleme ans Licht gebracht hat und auch in den zurückgebliebensten Sektoren Europas, wie im zaristischen Russland oder in Österreich Ungarn, den Anstoß zur nationalen Revolution gegeben hat, jedoch waren dies nichts anderes als die Nachwehen einer bereits vergangenen Epoche'3

Allerdings ist die Beziehung zwischen antikolonialer Revolution und dem Imperialismus in der neuen Epoche nicht zu vernachlässigen. Die Theorie der Permanenten Revolution, im Sinne einer Theorie für die internationale sozialistische Revolution, stellt einen engen Zusammenhang zwischen den Kolonien und den Zentren des Imperialismus her, dem Gramsci nicht genug Beachtung schenkt. Schlimmer noch, im Zuge einer fortschreitenden Verwischung der klaren Unterteilung in ausbeutende Länder und ausgebeutete Länder, die Teil des Ballasts der dritten Internationale war, verwendet er eine unklare Unterscheidung in „Orient und Okzident", die diese von Lenin immer wieder betonten Kategorien völlig verwischt. Trotzkis Ansichten über die fortschrittlichen Demokratien des Okzidents und die zurückgebliebenen Staatsformen des Orients sind folgende: ‚Während der Imperialismus in den historischen Metropolen des Kapitals die Demokratie zerstört, verhindert er gleichzeitig deren Entwicklung in den rückständigen Ländern. Dass in der neuen Periode in keinem einzigen kolonialen oder semikolonialen Land eine demokratische Revolution stattfand, nicht einmal im ländlichen Sektor, ist einzig und allein die Schuld des Imperialismus, der das Haupthindernis für deren wirtschaftliche und politische Entwicklung geworden ist. Während sie den natürlichen Reichtum der rückständigen Länder ausplündern und deren unabhängige industrielle Entwicklung bewusst verhindern, unterstützen die Monopolmagnaten und ihre Regierungen gleichzeitig die reaktionärsten halbfeudalen Gruppen der einheimischen Ausbeuter sowohl in finanzieller als auch in politischer und militärischer Hinsicht. Die so künstlich am Leben erhaltene ländliche Barbarei ist heutzutage das schlimmste Übel der Weltwirtschaft. Der Befreiungskampf der Kolonialvölker, der verschiedene Zwischenstufen überspringt, wird notwendiger Weise zum Kampf gegen den Imperialismus und vereinigt sich auf diese Art und Weise mit dem Kampf des Proletariats in den Metropolen. Die kolonialen Aufstände und Kriege erschüttern außerdem die grundlegenden Fundamente der kapitalistischen Weltordnung und machen so das Wunder ihrer Erholung unwahrscheinlicher denn je.'4

Abgesehen davon, war die Theorie der permanenten Revolution selbst in ihren frühesten Versionen, niemals eine reine Ausdehnung von Marx' „48er Formel". Ergründen wir, wieso Gramsci nur eine Karikatur von Trotzkis Theorie macht. Die Permanenz der Revolution im Marxschen Sinne besteht darin, dass das Proletariat, da es seine parteilich Unabhängigkeit bewahrt, ständig neue Forderungen aufstellt, die immer einen Schritt weitergehen als die radikale kleinbürgerliche Demokratie: das Proletariat darf sich nicht an die bürgerlichen Grenzen halten, nicht einmal während dem Zyklus der bürgerlich - demokratischen Revolutionen des XIX. Jahrhunderts. Trotzki kann gar nicht umhin sich der These Gramscis anzuschließen: ‚In der Tat erschöpfen sich geschichtlich erst 1870-71 mit dem kommunalistischen Versuch alle 1789 entstandene Keime, das heißt, nicht nur besiegt die um die Macht kämpfenden neue Klasse die Repräsentanten der . Dies bedeutet, dass die neue Klasse die um die Macht kämpft, nicht nur alle Repräsentanten der alten Gesellschaft, die sich ihre endgültige Überlebtheit nicht eingestehen will, sondern sie besiegt auch die Repräsentanten der allerneuesten Gruppen, welche die neue, aus der 1789 begonnenen Umwälzung hervorgegangene Struktur schon für überholt erklären, und beweist so ihre Lebenskraft sowohl im Vergleich zum Alten als auch im Vergleich zum Neuesten. Außerdem verliert mit 1870-71 das Ensemble von Prinzipien politischer Strategie und Taktik seine Wirksamkeit, die praktisch mit 1789 entstanden waren und ideologisch um 48 entwickelt wurden.(diejenigen, die in der Formel der „permanenten Revolution" zusammengefasst werden [...]).'5

Ganz im Gegenteil dazu, erkennt die Theorie Trotzkis im Zeitalter der Herrschaft des Imperialismus die weltweit hohe Entwicklung der Produktivkräfte Anfang des XX. Jahrhunderts an, die vielerorts, wie z.B. in Russland oder anderen rückständigen Ländern, mit äußerst rückständigen Besitzverhältnissen und veralteten Formen der Politik gepaart war. So entwickelt sich seine Theorie eben gerade nicht in der Hoffnung auf das Andauern oder die Wiederholung der Mechanik der bürgerlich-demokratischen Revolutionen im 1848er Stil. Diesmal würde das Proletariat die Klasse sein, welche die führende Rolle in dem Kampf für die Abschaffung der Reste des Feudalismus übernahm und nicht die liberale Bourgeoisie, die mittlerweile durch und durch reaktionär war. Durch eine im Vergleich zu Marx' Zeiten neue Dynamik im Klassenverhältnis würde das Proletariat die Grenzen des bürgerlichen Rechts überschreiten und seine Aufgabe im Aufbau des Sozialismus sehen. Diese strategische Perspektive, die Trotzki bereits seit 1905 sieht, konkretisierte sich, wie wir in dem zuvor zitierten Brief Gramscis sehen konnten, mit der russischen Revolution von 1917. Und niemand außer Trotzki konnte dies für das „zurückgebliebene Russland" vorhersagen, denn anders als andere Marxisten, die immer noch „nach Marx" argumentierten, brach der russische Revolutionär im Gegensatz zu dem was Gramsci sagte, dialektisch mit der alten Formel.

Was die konkreten Bedingungen der italienische Revolution nach dem Triumph des Faschismus angeht, reduzierte Trotzki sie nicht einfach auf die Formel, „Faschismus oder Sozialismus", da er „Übergansperioden" überhaupt nicht ausschloss. Für ihn ging es nur darum, wie er in einem Brief an die italienische Links-Opposition ausführte, den Charakter dieses Übergangs genau zu präzisieren. Genau seine Theorie ist die vom Übergang zur proletarischen Revolution. „...Bedeutet die permanente Revolution etwa, dass sich Italien für eine gewisse Zeit nicht wieder in einen parlamentarischen Staat bzw. eine „demokratische Republik" verwandeln kann? Ich halte -und ich glaube in diesem Punkt sind wir uns vollkommen einig - diese Eventualität nicht für ausgeschlossen. Jedoch wird sie nicht das Produkt einer bürgerlichen Revolution sein, sondern das Ergebnis der Abtreibung einer unausgereiften und verfrühten proletarischen Revolution. Wenn eine tiefe revolutionäre Krise ausbricht und es zu Massenschlachten kommt, im Zuge derer die proletarische Avantgarde nicht die Macht ergreift, wird die Bourgeoisie möglicherweise ihre „demokratische" Herrschaft wiederherstellen."6

Eine weitere Schlussfolgerung, die sich daraus ziehen lässt, ist, dass es zumindest was die nationalen Ebene in Italien angeht, eine gewisse Permanenz in Gramscis Schriften gibt. Im Grunde genommen beruht die Strategie, die er für die Revolution in Italien erarbeitet, mit all ihren strukturellen Eigenheiten und jenseits des faschistischen Regimes, auf einer Rückkehr zur nationalen Geschichte und im Erkennen welche Aufgeben die Bourgeoisie nicht, bzw. auf ihre eigene, unvollständige und ausschließende Art und Weise, erfüllt hat. Daher stammt auch der Begriff „passive Revolution" mit dem er das Risorgimento beschreibt. Besondere Aufmerksamkeit widmet er in dieser Hinsicht der meridionalen und der Bauernfrage. Dies bedeutet nichts anderes als dass er zumindest teilweise der Permanenz in der Theorie Trotzkis folgt: Diejenigen bürgerlich-demokratischen Aufgaben, die die Bourgeoisie in der Periode ihres Aufstiegs nicht lösen konnte, kann jetzt im Zeitalter ihrer Dekadenz nur das Proletariat unterstützt von den Massen der Bauern lösen. Diese Frage war, wie man an den Sorgen Gramscis über Italien ablesen kann, nicht nur für die kolonialen Länder, sondern auch für die Länder mit einer zurückgebliebenen bürgerlichen Entwicklung relevant.7

Trotzdem lässt sich nicht der Umkehrschluss ziehen: dass die Theorie Gramscis die Trotzkis beinhalte. Auch wenn Gramsci in seinen Ausführungen zu Italien einen der Aspekte der Permanenz der Revolution (das Herüberwachsen der demokratischen Revolution in die sozialistische Dynamik durch die Allianz mit der Bauernschaft, geführt durch die Arbeiterklasse), reichte dies bei weitem nicht aus um ihn zu einem Parteigänger der Permanenten zu machen. Da die Theorie der permanenten Revolution , besonders klar nach 1929, eine Theorie der internationalen sozialistischen Revolution war und sich somit klar und konsequent gegen die Pseudo-Theorie des „Sozialismus in einem Land" wendete8. Wie Trotzki dazu sagte: „Das von Bucharin geschaffene Programm der Kommunistischen Internationale ist durch und durch eklektisch. Es macht den hoffnungslosen Versuch, die Theorie des Sozialismus in einem Lande mit dem marxistischen Internationalismus, der von dem permanenten Charakter der Weltrevolution untrennbar ist, zu versöhnen".9

Und Gramsci wendet sich nicht vom Programm der Kommunistischen Internationale ab, als sie dieses Konzept aufnimmt. Wir behaupten nicht, dass Gramsci sich die rechte Politik (die sich in einigen Formeln, wie der, der„Bauern Bereicherung" oder der, der „friedlichen Entwicklung des Kulak zum Sozialismus", etc. zusammenfassen lässt) des Bucharin-Stalin Blockes der Jahre 24 bis 28, zu eigen gemacht hätte. Jedoch definierte er seine Position hauptsächlich aus dem privilegierten Blickwinkel der nationalen italienischen Revolution und in zentristischer Versöhnung mit der Politik der Kommunistischen Internationalen. In dieser Angelegenheit schrieb er im Jahr 1926 einen Brief an Palmiro Togliatti, in dem er Amadeo Bordiga dafür kritisiert, dass er sich in den Fraktionskämpfen innerhalb der Internationalen als „internationale Minderheit" neben der linken Opposition positionierte, während Gramsci der Meinung war, dass man als „nationale Mehrheit" der italienischen Partei auftreten solle10. Und dies nicht etwa weil er vorausgesehen hätte, dass eine erfolgreiche proletarische Revolution in Italien die Karten innerhalb Europas neu verteilen und sich so auch das Kräfteverhältnis innerhalb der KI ändern würde. Gramsci tappt in die Fallen des Fatalismus, indem er den teilweisen Rückzug der revolutionären Kräfte überbewertet und das „instabile Gleichgewicht", das der Kapitalismus in den 20er Jahren erreicht hat, als etwas anderes „größeres" ansieht: in ein Zögern der „zur Verfügung stehenden subjektiven Kräfte" welches seinem „methodologischem Kriterium" Nahrung gibt, die Periode im Licht der Möglichkeit zu interpretieren, dass der Kapitalismus sich überlebt, ohne Kriege und die „katastrophale Phase" überwindet und so eine Periode „passiver Revolutionen" auslöst.

Trotzki versuchte im Gegenteil dazu, auf der Basis der politischen Prognose einer neuen katastrophalen Phase, für eine Richtungsänderung der Politik der KI zu kämpfen, und nicht nur für die Bildung von „Minderheiten" auch wenn das schließlich das Ergebnis des Kampfes war. Gramsci, offensichtlich durch die Jahre im Kerker und der Isolation gezeichnet, scheint aus einem Blickwinkel zu argumentieren, die die Bewahrung des Triumphes in der Sowjetunion in den Vordergrund stellt, da er den Bruch der Allianz der Bauernschaft mit der Arbeiterklasse fürchtete und sich um die Einheit der russischen Partei sorgte. Gibt er der Theorie und Politik des „Sozialismus in einem Land" nach, weil er die Notwendigkeit, die vom international Proletariat eroberte „Stellung" zu halten, selbst um den Preis des Stalinismus, über alles stellte, zumindest solange keine neuen Stellungen erobert werden konnten? Dies lässt sich nicht mit Sicherheit feststellen, aber es verweist auf die programmatischen Positionen der beiden Revolutionäre.

Stellung, Manöver und Übergangsprogramm

Gramsci geht konsequenter Weise davon aus dass: „die achtundvierziger Formel der „permanenten Revolution" wird in der politischen Wissenschaft in der Formel der „zivilen Hegemonie" umgearbeitet und aufgehoben." Und daraus beruhend behauptet er, dass „In der politischen Kunst findet statt, was auch in der Kriegskunst stattfindet: Der Bewegungskrieg wird immer mehr zum Stellungskrieg, und man kann sagen, daß ein Staat einen Krieg gewinnt, insofern er ihn peinlich genau und technisch in Zeiten des Friedens vorbereitet. Die massive Struktur der modernen Demokratien, sowohl als staatliche Organisationen als auch als Komplex von Vereinigungen im zivilen Leben, bilden für die politische Kusnt so etwas wie die „Schützengräben" und die dauerhaften Befestigungen der Front im Stellungskrieg: sie machen das Element der Bewegung, das vorher der „ganze" Krieg war, zu einem „partiellen", usw."11

Der Punkt hier ist, das was auch immer Gramscis „Stellungsorientierte" Formel an Mehrdeutigkeit transportieren mag, wurde vom Reformismus, egal ob vom Stalinismus oder von der Sozialdemokratie aufgegriffen um eine Kautzkistische Strategie des „Zermürbungskrieges" zu rechtfertigen, die darauf abzielte „Schützengräben" ohne Manöverbewegungen zu besetzen, in das bürgerliche Regime einzudringen, ohne Aufstand oder Machtergreifungsversuch, was eine monströse Karikatur des Gedankengut des italienischen Kommunisten darstellt.

Auf ähnliche Art und Weise hat man auch versucht Trotzki zu karikieren, und versucht es bis zu einem gewissen Grade auch heute noch mit dem Trotzkismus (oder zumindest mit den Sektoren des Trotzkismus, die wie wir einen revolutionären Diskurs haben) indem man den revolutionären Trotzkismus als naive Vertreter der permanenten Offensive abzustempeln.

In Wirklichkeit hat Trotzki niemals eine voluntaristische Position der permanenten Offensive vertreten, weder in den Friedensverhandlungen zwischen der entstehenden Sowjetunion und Deutschland, trotz den, die Verhandlungen von Brest-Litowsk betreffenden, Differenzen zwischen ihm und Lenin; noch auf dem zweiten Kongress, auf dem er sich mit Lenin zusammen als „rechter Flügel" vom linken Extremismus der Deutschen distanzierte. Betrachten wir einige weitere, äußerst wichtige Beispiele.

In seinen „Lateinamerikanischen Schriften" macht er einen bemerkenswerten Gebrauch von „Schützengräben" und „Stellungen", wenn er die Verteidigung der Nationalisierung des Erdöls in Mexiko, die der Nationalist Lázaro Cardenas dekretiert hatte, vorschlägt. Von dieser Stellung aus, so sein Vorschlag, lassen sich neue Stellungen erobern, wie z.B. die Arbeiterkontrolle der Erdölförderung. Bei dieser Gelegenheit weist er auch auf den Gebrauch hin, den wir Revolutionäre von der Regierungsmacht in einer Kommune oder sogar einem Bundesstaat machen könnten. Statt wie die „transformierten" Ex-Trotzkisten der PT in Brasilien, die die Macht in Städten wie Porto Alegre und Staaten wir Rio Grande do Sul haben, einen rein reformistischen Gebrauch von der Regierungsmacht zu machen, könnten wir sie als Tribüne nutzen, um die unaufschiebbare Notwendigkeit der Ziele der Diktatur des Proletariats auf nationaler Ebene aufzuzeigen. Trotzki war der Idee, „dass man einen Krieg gewinnt, indem man sich in Friedenszeiten genauestens darauf vorbereitet" keineswegs fremd, deswegen bezeichnete er die lateinamerikanischen Regierungen der 30er Jahre als Ergebnis eines eigenartigen Kräfteverhältnisses zwischen dem jungen Proletariat und dem ausländischen Kapital, als grundlegend entgegengesetzten Klassen zwischen denen die nationalen Bourgeoisien versuchten, ein „instabiles Gleichgewicht" (das heißt, einen relativen Frieden) herzustellen (was er einen Bonapartismus sui generis nannte).

Auch zeigte er in der Kriegskunst selbst, während des russischen Bürgerkriegs in dem er ein politisch-militärischer Führer war, dass er die Kombination von Stellung und Bewegung beherrschte. Im Spanischen Bürgerkrieg vertrat er, entgegen der etappistischen Politik der Führung der republikanischen Front, dass neue Ländereien enteignet und unter den Bauern verteilt werden müssten oder dass die Fabriken nationalisiert und unter Arbeiterkontrolle gestellt werden müssten (wirtschaftlich-gesellschaftliche Stellungen) um jeden militärischen Terraingewinn der republikanischen Truppen zu festigen (Manöver) und das diese neuen Marksteine (des Sozialismus) nicht bis nach dem endgültigen Triumph im Bürgerkrieg aufgeschoben werden dürften, wie es die Sozialdemokraten, Stalinisten und sogar die Anarchisten forderten.

Und natürlich ist die Idee der „politischen Revolution" die neuartige Kombination aus Verteidigung der vom internationalen Proletariat eroberten Stellung, der Nationalisierung in der Sowjetunion, mit der Forderung nach der „revolutionären Entmachtung der thermidorianischen Bürokratie" um diesen „Schützengraben" in Gefechtsverfassung für die internationale sozialistische Revolution zu bringen. Dabei distanzierte er sich jedoch immer von denjenigen die nicht die Verteidigung der Sowjetunion propagierten: „wer nicht in der Lage ist, gewonnene Positionen zu verteidigen, wird auch keine neun erobern können".

Angesichts des bevorstehenden zweiten Weltkriegs und als es klar war, dass dieser auch nicht mehr durch „Revolutionen von unten" aufgehalten werden konnte (nach den Niederlagen in Spanien und Frankreich), entwarf Trotzki die kühnste aller politischen Taktiken. Die „proletarische Militärpolitik" (PMP) war ein Leitfaden zur aktiven Intervention im Krieg, der die reaktionärste bürgerliche „Institution, darstellt. Diese ließe sich, laut Trotzki, genauso von den Revolutionären nutzen, wie das Parlament. Die „proletarische Militärpolitik" besagte, dass während alles daran gesetzt wurde, dass das kämpfende internationale Proletariat sich des imperialistischen Charakters des Krieges im allgemeinen bewusst würde, wurden gleichzeitig spezielle Taktiken für den amerikanischen Arbeiter der Hitler besiegen wollte und für den Franzosen oder Polen der gegen die Nazi Unterdrückung in seinem Land kämpfen wollte, entwickelt. Mitten in dem Aufruhr den dieser Krieg bedeutete - und der für Trotzki die „objektiven und die subjektiven Faktoren in Übereinstimmung brachte" -, konzentrierte er auf eine einzige Politik alle drei „Momente" des „Kräfteverhältnisses" die Gramsci benennt. Den „Moment des Bruchs" des Proletariats mit seiner eigenen Bourgeoisie, mit einer Politik die den „Arbeiter in Waffen" von den „normalen" Rekruten der imperialistischen Heere trennt. Den „politischen Moment" in dem der Krieg und das „nationale Ziel" den Klassenkampf nicht unterbrechen und damit eine Entwicklung wie im „russischen Oktober" wie im Krieg 1914-18 nicht bremsen. Den „militärischen Moment" in dem er die Leninsche Politik aus dem ersten Weltkrieg weiterführt und -entwickelt, schlägt eine neue Art der „Umwandlung des imperialistischen Krieges (dies schließt alle anderen Aspekte dieses Krieges, wie die Verteidigung der Sowjetunion, oder der nationalen Unterdrückung in den besetzten Ländern mit ein) in einen Bürgerkrieg" vor.

Gramscis „Momente" werden häufig als statische Etappen, wie in einer statischen Struktur interpretiert (und Gramsci hat dieser Interpretation Vorschub geleistet), während bei Trotzki immer die Kombination von Etappen, Zeiten, Momenten und dynamischen Definitionen präsent ist. Was das angeht folgt er dem Beispiel Lenins, der mit seiner Definition von Etappen und Situationen, die Zeit in die revolutionäre Politik mit einbaut. Die Logik der Kombination von Ungleichheiten ist nicht nur für die Theorie der permanenten Revolution bestimmend, sondern auch für die Methode die zum Übergangsprogramm führt.

Diese Programm wurde in den Vereinigten Staaten selbst diskutiert, mit der ganzen Komplexität die dies mit sich brachte, angefangen von den Bedingungen des Amerikanismus und des New Deal und aus seiner Logik entstand der kühne Vorschlag von Demaskierungsforderung an die Regierung Roosevelts nach einem echten Plan für öffentliche Arbeiten, der die Massenarbeitslosigkeit endgültig beseitige.

Perry Anderson stellt die These auf, dass obwohl Trotzki die politischen Regimes Europas besser kannte und korrekte Taktiken - wie die radikal-demokratische Forderung nach einer verfassunggebenden Nationalversammlung in Frankreich und in Spanien - aufstellte, es trotzdem Gramsci sei, der sich die beunruhigendsten Fragen darüber stellte, wie man die stabilsten bürgerlichen Demokratien von links überwinden könne. Dies gewann an Bedeutung, nicht etwa in den Jahren vor dem Krieg, in denen die Demokratien vor dem Faschismus oder dem Bonapartismus klein beigaben, sondern in den stabilen Demokratien im Nachkriegseuropa. Aber das Übergangsprogramm selbst, stellt auch Forderungen wie z.B. nach Arbeiterkontrolle über die Produktion auf, welche selbst in Zeiten wo sich die Frage nach einer Machtergreifung nicht direkt stellt, dazu genutzt werden können, das Proletariat dazu anzustiften neue Stellungen zu erobern die das Privateigentum in Frage stellen und es auf größere Kämpfe vorbereiten.

Laut der Diskussionen in der amerikanischen SWP wurden, vor der Verabschiedung des Übergangsprogramms, ein „Maximalprogramm" der Reformisten (die nur in Kategorien von Stellungen denken) und ein ausgesprochenes „Minimalprogramm" der Linksextremisten (die nur in Manöverkategorien denken) als programmatischer Korpus in Betracht gezogen.12

Tatsächlich enthält das Übergangsprogramm angefangen von Minimalforderungen, soweit sie ihre „Lebenskraft" behalten (d.h. sie alte Positionen sind, die es zu verteidigen gilt), weitergehende Forderungen die eine Skala von zu erobernden Stellungen betreffen (von der gleitenden Skala der Löhne und Arbeitszeiten, bis hin zu Arbeiterkontrolle über die Industrie und Sowjets), die hier dazu benutzt werden, den „Bewegungskrieg" zu eröffnen, d.h. die Machtübernahme durch das Proletariat vorzubereiten und durch diese Vorbereitung selbst schon neue Stellungen einzunehmen, einen nationalen Schützengraben der Internationalen Revolution.

Das Übergangsprogramm ist vom Standpunkt dieser Diskussion aus gesehen, die Brücke, der Übergang von Stellung zu Manöver.

Klasse und Partei

Zum Abschluss möchten wir noch einige Fragen ansprechen, die wir in kommenden Studien ausarbeiten werden: die komplexe Beziehung zwischen Spontaneität und Bewußtsein, zwischen realer revolutionärer Bewegung und Partei, zwischen den marxistischen Intellektuellen und der Avantgarde der Arbeiterklasse.

In der Arbeit Gramscis gibt es zwei klar zu erkennenden Perioden, was die Abwägung zwischen der Arbeiterklasse und der revolutionären Partei angeht. Die erste Phase ist die, welche von der Publikation von Ordine Nuovo bestimmt ist. Unter dem Einfluss des italienischen „Bienio Rosso" von 1919-1921 und den Fabrikbesetzungen in Turin, sieht er die entstandenen Arbeiterräte als „konkrete Form eines neuartigen politischen Prozesses, welche auf Grund dessen, dass sie ihren Ursprung in der Produktion haben, durch politische Manöver oder partielle Veränderungen im bürgerlichen Staat nicht vereinnahmt werden können." 13

Diese Einschätzung, die die bewusste Aktion der revolutionären Partei unterbewertet, erweist sich sowohl in Italien als auch in Deutschland, wo Reformismus eine Art „kombinierten Staat" zwischen parlamentarischer Republik und Arbeiterräten vorschlägt,, und so demonstriert, das ohne eine zentrale revolutionär-marxistische Führung aller Art „politische Manöver und teilweise Modifizierungen des Staates" aufkommen, die die Selbstorganisation der Massen aufgreifen und so neutralisieren.

Ab dem Jahr 1926, auf dem Kongress von Lyon, nimmt Gramsci, im Gegensatz zur von Ordine Nuovo bestimmten Phase, eine klar pro-parteiliche Position ein, die in weiten Teilen, antidialektischer Weise, seine ehemaligen Positionen über die Rolle der Arbeiterräte revidiert. Seine Thesen aus jener Zeit sind notorisch beeinflusst von der Sinowjewschen Überbewertung der „Zellen" der kommunistischen Partei als Basis der Organisation der Arbeiterklasse. Trotz alledem folgt das Konzept der Partei bei Gramsci, bereits in seinen Schriften aus dem Kerker, neuen Gleisen, vollkommen verschieden von dem Konzept der „Ersatzpartei" des Stalinismus, von dem man zu jener Zeit Spuren finden konnte.

Bei dem Versuch die allgemeinen Konzepte zu schematisieren und Gramsci innerhalb dieser einzuordnen, lässt sich sagen, dass es drei Arten von Parteien gibt, was die Verbindung des Marxismus mit der revolutionären Bewegung der Arbeiterklasse angeht. Bei den Parteien vom Kauzkistischen Typ, wie es dem sozialdemokratischen Reformismus eigen ist, ist das taktische Moment vollkommen überbewertet, d.h. für sie ist „die Bewegung alles". Bei den leninistischen Parteien, definiert und trennt man Alliierte von Gegnern nach strategischen Zielen - als er einmal verstanden hatte, dass eine Einheit der Partei mit den Menschewiken unmöglich war, gab es keinen besseren Bolschewiken als ihn, wird Lenin 1917 von Trotzki sagen-. Gramsci seinerseits, kohärent in seiner Analyse der Rolle die die Ideologien bei der bürgerlichen Herrschaft im modernen Staat spielen, entwickelt die Aspekte des Kampfes an der „dritten Front" der parteilichen Aktivitäten, die bereits Engels aufgezeigt hatte: den des ideologischen Kampfes, zusammen mit dem wirtschaftlichen und politischen Kampf . Aber in seinem Konzept der Partei als „intellektuellem Kollektiv" gibt es eine Hypertrophie dieses ideologischen Kampfes, und die Rolle der „Partei als Erzieherin" der Massenbewegung der Arbeiterklasse. Die wichtigste Rolle der Intellektuellen innerhalb der Partei sei es, einen neuen „Gemeinschaftssinn" in der Arbeitermassenbewegung zu schaffen: den Marxismus. Widersprüchlich ist, dass gerade er, der wichtige Beiträge zur Politikwissenschaft geleistet hat und die Bedeutung des „Arbeiterbewusstseins", das sich in den Fabrikräten bildete, hervorhob, sich zu einer falschen Schlussfolgerung verleiten lässt, die den ideologisch-kulturellen Kampf über die Politik stellt und nicht auf einer aktiven Austauschbeziehung zwischen Partei und Sowjets besteht, durch die „der Erzieher erzogen wird". Die italienische Nachkriegs-KP macht sich dies zu Nutze, und verzerrt diesen Fehltritt auf reformistische Art und Weise um die Kultur und die ideologischen Debatten mit den Reformisten voranzutreiben, vor dem Hintergrund, dass sie eine Schlüsselrolle bei der Unterstützung der bürgerlichen Demokratie spielen wollten.

Trotzki wird ein Fortführer des „reifen" Bolschewismus sein, der nach der Erfahrung mit den ersten Arbeiterräten 1905, die These des „Was tun?" von Lenin korrigierte, in der dieser ausführte, dass das Klassenbewusstsein nur „von außen" in die Arbeiterbewegung hereingetragen würde. Was die Beziehung zwischen Sowjet und Partei wird er, auf die Erfahrungen der russischen Revolution gestützt, sagen: „Es wäre ein offener Fehler, die Stärke der bolschewistischen Partei mit der Macht der von ihr geleiteten Sowjets zu identifizieren: die letztere war um vieles beträchtlicher, jedoch ohne die erste hätte sie sich in Ohnmacht verwandelt." 14 Davon ausgehend, wird er ein überzeugter Anhänger der Idee einer leninistischen Kampfpartei.

Fußnoten

1 Eine weitere den Theorien Trotzkis freundlich gesinnte Äußerung findet sich in folgendem Brief an Togliatti vom 9. Februar 1924: 'Aus der Polemik die sich in letzter Zeit in Russland entwickelt hat, geht hervor, dass Trotzki und die gesamte Opposition angesichts der andauernden Abwesenheit Lenins von der Parteispitze äußerst besorgt über die Rückkehr zur alten Mentalität sind, welche der Revolution schaden würde. Durch die Forderung nach mehr Beteiligung der Arbeiter am Parteileben und der Einschränkung der Kompetenzen der Bürokratie, wollen sie im Grunde nichts anderes als den sozialistischen und proletarischen Charakter der Revolution sichern und verhindern, dass sie langsam in Richtung jener demokratischen Diktatur abdriftet, die nichts anderes als die Verpackung eines sich entwickelnden Kapitalismus ist, wie sie Sinowjew und andere im Jahr 1917 verfolgten. So stellt sich mir die Lage der russischen Partei dar, und diese ist viel schwieriger und viel bedeutsamer als Urbani annimmt; die einzige wirkliche Neuigkeit ist, dass Bucharin ins Lager von Sinowjev, Kamenev und Stalin übergewechselt ist.'

2 Gramsci, A.: Gefängnishefte - Anmerkungen zurPolitik Machiavellis. Heft 13 §6 - §8. S. 1544-1545

3 Trotzki,Leo: Der Nationalismus und die Wirtschaft, November 1933. [Eigene Übersetzung, N.d.Ü.]

4 Trotzki,Leo: Der Marxismus und unsere Zeit

5 Gramsci, A.: Gefängnishefte - Anmerkungen zurPolitik Machiavellis. Heft 13 § 17. S. 1558-1559

6 Bezüglich der „antifaschistischen Revolution" hängt die italienische Frage stärker denn je mit den Grundproblemen des internationalen Kommunismus zusammen , d.h. mit der Theorie der permanenten Revolution. Daher stellt sich in Italien die Frage der „Übergangsperiode". Zuerst muss man klarstellen: Ein Übergang von wo nach wo? Eine Übergangsperiode von der bürgerlichen (bzw. „Volks") Revolution zur proletarischen Revolution ist eine Sache. Eine Übergangsperiode von der faschistischen Diktatur zur proletarischen Diktatur ist eine andere Sache. Wenn man sich mit der ersten Frage beschäftigt, dann stellt sich hauptsächlich die Frage nach der bürgerlichen Revolution und man versucht auszumachen welche Rolle das Proletariat in der Selben spielt. Erst in zweiter Instanz geht es um die Frage nach der Übergangsperiode zur proletarischen Revolution. Wenn man sich mit der zweiten Frage beschäftigt, dann ergibt sich das Problem einer Reihe von Schlachten, Erschütterungen, wechselhafter Lagen, schroffer Wendungen, die in ihrer Gesamtheit die verschiedenen Etappen der proletarischen Revolution ausmachen. Unter den vielen möglichen Etappen, sind jedoch auf keinen Fall die bürgerliche Revolution oder das geheimnisvolle Hybrid der„Volksrevolution". Trotzki, Leo: „Problemas de la revolución italiana, 14.05.1930", in La teoría de la Revolución Permanente, CEIP, Buenos Aires, 2000, S. 552. [Eigene Übersetzung. N.d.Ü] (Problems of the Italien Revolution, 14. Mai 1930, Writings of Leon Trotsky (1930). New York 1975, S. 220-227, hier S. 223f.) [eigene Übersetzung. N.d.Ü.]

7 In bezug auf die Länder mit einer verspäteten bürgerlichen Entwicklung, insbesondere auf die kolonialen und halbkolonialen Länder, bedeutet die Theorie der permanenten Revolution, dass die volle und wirkliche Lösung ihrer demokratischen Aufgabe und des Problems ihrer nationalen Befreiung nur denkbar ist mittels der Diktatur des Proletariats als des Führers der unterdrückten Nation und vor allem ihrer Bauernmassen.

„Nicht nur die Agrarfrage, sondern auch die nationale Frage weist der Bauernschaft, die in den zurückgebliebenen Ländern die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung bildet, einen außerordentlichen Platz in der demokratischen Revolution an. Ohne ein Bündnis des Proletariats mit der Bauernschaft können die Aufgaben der demokratischen Revolution nicht nur nicht gelöst, sondern auch nicht ernstlich gestellt werden. Das Bündnis dieser zwei Klassen ist aber nicht anders zu verwirklichen als im unversöhnlichen Kampf gegen den Einfluss der national-liberalen Bourgeoisie". Trotzki, Leo: Was ist nun die permanente Revolution? Grundsätze 2 und 3.

8 Die Theorie von Stalin und Bucharin bringt nicht nur der ganzen Erfahrung der russischen Revolution zuwider die demokratische Revolution mechanisch im Gegensatz zu der sozialistischen Revolution, sondern sie trennt auch die nationale Revolution von der internationalen.

Diese Theorie stellt den Revolutionen in den zurückgebliebene Ländern die Aufgabe, ein nicht zu verwirklichendes Regime einer demokratischen Diktatur zu errichten, das sie zu der Diktatur des Proletariats in Gegensatz bringt: Damit trägt sie Illusionen und Fiktionen in die Politik hinein, lähmt den Kampf des Proletariats des Ostens um die Macht und hält den Sieg der kolonialen Revolutionen auf.

Die bereits eroberte proletarische Macht bedeutet vom Standpunkt der Theorie der Epigonen schon die Vollendung der Revolution ("zu neun Zehnteln" nach der Formel Stalins) und den Beginn der Epoche nationaler Reformen. Die Theorie vom Hineinwachsen des Kulaken in den Sozialismus und die Theorie von der "Neutralisierung" der Weltbourgeoisie ist deshalb von der Theorie des Sozialismus in einem Lande nicht zu trennen. Sie stehen und fallen zusammen. Aus: Trotzki, Leo: Die permanente Revolution - Essen 1993, Seite 183-189.

9 Ebda, Grundsatz 14.

10 Massari, Roberto: „Trotzki und Gramsci"

11 Gramsci, A.: Gefängnishefte - Anmerkungen zurPolitik Machiavellis.Heft 13 § 6 - §8, S. 1545

12 So wie dieses letztere ist es auch der Fall mit dem italienischen Kommunisten Amadeo Bordiga

13 Paggi, Leonardo: Antonio Gramsci e il moderno Principe, Rom, 1970, S. 258 (zi. nach JC Portantiero in Los Usos de Gramsci)

14 Trotzki, Leo: Geschichte der russischen Revolution. Band 2: Oktoberrevolution. Kapitel 23: Oktoberaufstand